Gamma Knife Behandlung meines Akustikusneurinomes

Mein Akustikusneurinom (AN) hatte die Größe erreicht, dass ich etwas unternehmen musste.
Ich hatte schon Jahre vorher einen Bericht über das Gamma Knife gelesen. Also ließ ich mir
einen Termin zu einem Infogespräch geben. Mir wurde erklärt wie die Behandlung abläuft
und all meine anderen Fragen wurden geklärt. Unter anderem auch dass die Krankenkasse
dies zuerst bewilligen muss. Ich entschloss mich also zu der Behandlung.

Einen Tag vorher musste ich zu Vorgespräch und –Untersuchung anreisen. Am nächsten
Morgen es ging es los. Zuerst wurde mir der stereotaktische Rahmen auf den Kopf gesetzt
und verschraubt. Hört sich unangenehmer an als es ist. Klar es werden einem Schrauben in
den Kopf gedreht aber die Stellen sind betäubt.

Mit Helm wird dann ein CT gemacht. Dann ist Pause. Der Computer errechnet die Bestrah-
lungspunkte und die Zeit. Bei der Größe meines Akustikusneurinomes errechnete der Com-
puter ca. 50 Punkte und das alles in 4 Stunden. Gegen Mittag war es dann so weit. Ich wur-
de in den Bestrahlungsraum gebracht. Die ganze Zeit mit dem Rahmen rumzurennen war
sehr eigenartig. Der Kopf hat plötzlich größere Ausmaße. Der Apparat erinnert einen sehr
stark an das MRT. Der Kopf wird mittels Rahmen in die richtige Stellung fixiert. Sehr unan-
genehm, da der Metallrahmen in eine Metallhalterung gespannt wird. Und das alles überträgt
sich dann in den Kopf. Das Problem dabei war, dass die Stellung nicht sehr bequem war. Na
gut, Zähne zusammenbeißen dachte ich. Ich probierte zu schlafen. Nach ca. 6 Minuten kam
die Ärztin und Assistentin wieder rein. Nicht der Apparat ändert die Stellung für die verschie-
denen Punkte sondern der Kopf wird jedes Mal neu justiert. Das bedeutete bei mir 50 mal
dieses metallische Hämmern im Kopf. Mir kam es so vor, als wenn es immer stärker wurde.
Logischerweise folgten die Kopfschmerzen. Und der Nacken war verspannt. Nach 4 Stunden
war alles geschafft. Ich wollte nur noch den Helm runter haben. Mein Kopf hämmert wie ver-
rückt. Dann kam der erlösende Moment dachte ich. Die Ärztin löste die Schrauben. Es fühlt
sich aber so an, als wenn sie die Schrauben fester dreht. Das Gefühl war erst dann vorbei
als alle Schrauben raus waren. Ich bekam auf jedes Loch durch die Schrauben (4) ein Pflas-
ter und durfte dann gehen.

Ich war froh im Bett liegen zu können. Am nächsten Morgen war ich dann so fit, dass ich die
Strecke nach Hause mit dem Auto fahren konnte (650 km).

Ein halbes Jahr später musste ich zur Nachuntersuchung. Es wurde ein MRT gemacht. Es
sah alles gut aus, es hatte sich kein Wasser gebildet oder war geschwollen. Ob die Behand-
lung ein Erfolg war kann man nicht 100%ig sagen, da sich das AN nicht verkleinert sondern
es wächst nicht mehr weiter. Da ich vor der Behandlung schon ertaubt war, war es mir egal.
Seit der Bestrahlung ist das Akustikusneurinom auch nicht weiter gewachsen. 2 Jahre später
gibt es immer noch keine Veränderung des Akustikusneurinoms.

Bericht über meine fraktionierten stereotaktischen Bestrahlungen mit Novalis in Berlin

Ich hatte 2007 zwei Bestrahlungsserien an zwei mehrfach voroperierten NF2-Tumoren. Eine
Bestrahlung war an einem Akustikusneurinom, das dreimal voroperiert war und sehr schnell
wuchs (in 15 Monaten auf die Größe von vor der letzten OP), die andere an meinen Falx-
Meningeomen, die 5 Jahre zuvor zweimal operiert worden waren. Dabei war es zu schweren
Komplikationen gekommen, der behandelnde Neurochirurg damals hatte zur Bestrahlung
geraten, da eine weitere Operation an der Falx sehr gefährlich wäre.
Es ging also bei mir nicht um Funktionserhalt, sondern um einen Stopp des Wachstums.
Wegen der Größe der Tumoren und der mehrfachen Voroperationen waren beide Tumoren
für eine Bestrahlung nicht ideal geeignet. Auch Bestrahlung geht am besten, wenn die Tumo-
ren klein und nicht voroperiert sind. Ziel war also Stopp des Wachstums.
Die erste Bestrahlung ging über drei Wochen, das AN war am Hirnstamm mit leichter Kom-
pression. Daher war ich stationär in der Strahlenklinik, bestrahlt wurde in 15 Einzelbehand-
lungen a 5 Minuten, je eine täglich Montag bis Freitag. Zusammen Gray.
Es ging mir sehr gut dabei, 5 Monate später kam jedoch als Folge eine fast komplette Ge-
sichtslähmung (Der Nerv war stark vorgeschädigt).

Die zweite Bestrahlung war viel größer, über sieben Wochen gab es 33 Einzelbestrahlungen
a 10 Minuten. Bestrahlt wurden die Tumoren in der Falx, oben im Kopf. Es wurde, da ich in
Berlin wohne, ambulant gemacht, jeden Tag fuhr mich ein Krankentransportdienst hin und
holte mich eine halbe Stunde später wieder ab. Die ersten Wochen habe ich währenddessen
gearbeitet.

Ab der vierten Woche fielen oben die Haare aus. Das passiert, wenn die bestrahlten Tumo-
ren weit außen sitzen. Ich bekam einen „breiten Scheitel", wie er bei Männern typisch ist.
Die Haare sind nachgewachsen, es dauert lange aber mit einem Tuch kann man es gut ver-
decken.

Auch in der vierten Woche bin ich strahlenkrank geworden. Kopfschmerzen, Erbrechen, es
ging mir furchtbar. Ich bin für ein paar Tage ins Krankenhaus, etwas Cortison beseitigt diese
Probleme. Danach habe ich nicht mehr gearbeitet, es war dann doch recht anstrengend,
macht müde.

Danach ging es mir rasch besser, ich bin verreist, das war schön. Dann bekam ich Schwin-
del und Kopfschmerzen, das entwickelte sich innerhalb von zwei Monaten.
Gut drei Monate nach Ende der Bestrahlung ging es mir so furchtbar, dass ich nach Erfurt zu
einem NF2-Spezialisten gefahren bin. Diagnose: eine Sinusvenenthrombose. Eine Throm-
bose im Kopf hat dieselbe Wirkung wie ein Schlaganfall, die Sinusvene ist das wichtigste
Blutgefäß im Kopf und verläuft an der Falx. Diese Komplikation ist sehr selten, sie wurde
nicht allein durch die Bestrahlung verursacht. Schon die Tumoren hatten die Sinusvene ka-
putt gequetscht, das war der Grund für die erste Operation 5 Jahre zuvor.
Die Bestrahlungen waren im Ergebnis recht brutal, aber das Ziel ist dennoch erreicht: die
Tumoren wachsen nicht mehr. Das bestrahlte AN ist inzwischen ein viertes Mal operiert, da-
bei konnte es komplett entfernt werden.

Man darf sich nicht vorstellen, dass Bestrahlungen dieser Art schonend und einfach sind.
Aber sie haben wohl mein Leben gerettet.

Von einer Behandlung in Berlin rate ich dringend ab. Die Strukturen dort sind so chaotisch,
dass die Stationsärzte über die Bestrahlung im Keller kaum informiert sind. Mit der Neurochi-
rurgie wird nicht zusammen gearbeitet. Stattdessen rate ich, nach Erfurt in das Helios-
Klinikum zu gehen. Dort wird zusammengearbeitet, auch mit der Neurochirurgie, die Ärzte
kennen NF2 gut, man ist dort gut aufgehoben. Sie haben dort auch ein Novalis-
Bestrahlungsgerät, eines von vier in Deutschland. Ambulant sollte man diese Behandlung
nicht machen, weil es eben doch zu seltsamen körperlichen Reaktionen kommen kann.

Sabine Schmidt-Brücken, 50 Jahre, Berlin