Die meisten Betroffenen müssen mit einer Hörminderung bis hin zu einem vollständigen Hörverlust rechnen. Der Zeitpunkt und das Ausmaß des Hörverlustes können individuell stark variieren. Bei einigen tritt der Hörverlust mit Beginn der Pubertät ein oder im Alter von 20 – 30 Jahren. Bei anderen wiederum setzt der Hörverlust später ein. Es ist sehr selten und nicht davon auszugehen, dass sich kein Hörverlust einstellt. Vielmehr können Akustikusneurinome selber oder eine notwendige Operation an einem Akustikusneurinom den Hörnerven so weit beschädigen, dass mit einem schleichenden Hörminderung oder plötzlichen Ertaubung auf der betreffenden Seite zu rechnen ist. Somit können NF2-Betroffene verschiedene Stadien durchlaufen: Von Normalhörigkeit, über Schwerhörigkeit bis hin zur vollständigen Ertaubung.

Welche Möglichkeiten der Kommunikation bleiben derart Betroffenen? Welche anderen Möglichkeiten zur rehabilitativen Behandlung sind empfehlenswert? Es ist ebenfalls sehr wichtig, bei drohender Schwerhörigkeit oder Ertaubung präventiv zu arbeiten. Das bedeutet, mit Sprachtherapie und Lippenabsehen zu beginnen, wenn das Gehör noch intakt ist. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass nach einer Ertaubung alles zu spät ist. Im Gegenteil!

 

Absehen vom Mund

Wer plötzlich sein Gehör verliert wird zunächst versuchen, Gesprochenes vom Mund abzusehen.

Meistens funktioniert es nicht, alle Gesprächspartner müssen zu Stift und Papier greifen. Das Absehen vom Mund ist von vielen Faktoren abhängig und muss erlernt werden. Es zu lernen gelingt nicht allen Ertaubten und stark Schwerhörigen, und auch die es gut können, verstehen nicht alle Gesprächspartner!

Faktoren für das Gelingen einer Kommunikation durch Absehen:

• das Mundbild des Gegenübers muss gut zu sehen sein
• das Licht muss für den Ertaubten immer von hinten kommen, damit das Gesicht des Gegenübers gut zu sehen ist
• der Gesprächspartner darf keinen Vollbart tragen, keinen Kaugummi kauen, keine Zigarette rauchen
• der Gesprächspartner muss die Zähne auseinander bekommen beim Sprechen, darf keine Endungen verschlucken, keinen Dialekt sprechen, nicht nuscheln (alles das kann man lernen)
• Beide Gesprächspartner sollten Blickkontakt halten, sich aufmerksam aufeinander konzentrieren.
• Sprachbegabung und Konzentrationsfähigkeit des Ertaubten sind wichtige Voraussetzungen.
• Empathie (Fähigkeit zum Mitdenken; was könnte der andere jetzt sagen) ist auch hilfreich.
• Nähe der Bekanntschaft (die Familienangehörigen kann ein Ertaubter meist am besten verstehen, weil er weiß, was und wie sie sprechen)
• Gegenseitige Sympathie und Interesse aneinander fördert das Verstehen

Auch bei optimalen Bedingungen wird aus dem Absehen vom Mund kein Ablesen, das heißt etwa bei abruptem Themenwechsel kann ein Ertaubter nicht mitkommen. Es wird auch immer eine enorme Anstrengung bleiben. Es wird immer Missverständnisse geben, so ist beispielsweise das Wörtchen „nicht" kaum zu sehen und verändert den Sinn radikal. Ein komplizierter Satzbau oder Fremdwörter sollten nicht verwendet werden.

Und:
Das Absehen ist sehr anstrengend, bei mehreren hörenden Gesprächspartnern ohnehin unmöglich, wenn sie sich nicht alle immer dem Ertaubten zuwenden können. Blickkontakt ist notwendig, damit der hörende Sprecher Kontrolle hat, ob etwas verstanden wurde.

Der Ertaubte darf nicht so tun, als hätte er verstanden, wenn er in Wirklichkeit den Faden verloren hat. Bei wichtigen Besprechungen sollte das Absehen nicht die Kommunikationsform der Wahl sein.

Hier hilft ein Schriftmittler oder ein Gebärdendolmetscher, worauf ein stark Hörgeschädigter beim Arzt oder bei Bewerbungsgesprächen ua Anspruch hat.(s.u. "das Recht auf Dolmetschen")

 

Gebärden

Gebärdensprache

Eine ganz andere Möglichkeit stellen die Deutsche Gebärdensprache (DGS) oder lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) dar.

Deutsche Gebärdensprache (DGS): Sie wird hauptsächlich von Gehörlosen verwendet und hat eine eigenständige Grammatik, die auf visueller Wahrnehmung beruht. Auch Mimik und Körpersprache sind ein wesentlicher Teil der Grammatik. Die Deutsche Gebärdensprache ist eine eigenständige und vollwertige Sprache mit regionalen Eigentümlichkeiten wie Dialekten, Idiomen usw. DGS ist ein wichtiger Bestandteil der Gehörlosengemeinschaft und deren Kultur.

Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG): Sie werden hauptsächlich von lautsprachorientierten Personen, d.h. meist von Schwerhörigen und Spät-Ertaubten verwendet. Anders als DGS, die eine eigenständige Sprache ist, ist LBG eine Kommunikationsform, die an der Lautsprache orientiert ist und mittels Gebärden das Gesprochene begleitend sichtbar macht. Die einzelnen Gebärden der LBG sind zumeist Gebärden aus der DGS. Oft wird LBG nicht in ‚Reinform' lautsprachbegleitend verwendet, sondern vielmehr lautsprachunterstützend (LUG), was heißen soll, dass nicht jedes gesprochene Wort gleichzeitig gebärdet wird, sondern nur diejenigen Wörter, die für das inhaltliche Verständnis wichtig sind, um so das Absehen beträchtlich zu erleichtern.

Fingeralphabet

Fingeralphabet: Das Fingeralphabet entspricht den Buchstaben der Schrift und wird sowohl in der DGS als auch in der LBG verwendet. Die Buchstaben werden sichtbar mit einer Hand gebildet. Da es jedoch zu aufwändig wäre, sämtliche Aussagen per Fingeralphabet zu buchstabieren, wird es für Wörter eingesetzt, für die keine Gebärde bekannt ist (z.B. Fremdwörter, Ortsnamen, Personennamen).

Während in der Kommunikation mittels Hörhilfen, Absehen oder Schriftsprache letztlich kaum Barrierefreiheit erreicht werden kann, ist gerade das mit Hilfe von Gebärden oder der Gebärdensprache möglich. Sofern keine gravierende Sehschädigung besteht, ist der Zugang zu dieser Kommunikationsform unbehindert. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Verantwortung für ein Gelingen der Kommunikation auf beide Seiten - die gut hörende und die hörgeschädigte - gleichermaßen verteilt wird.

Das Fingeralphabet können Sie sich hier herunterladen.

Bundesweite angebotene Gebärdensprachkurse sind hier zu finden.

Hier noch ein Tipp, um spielerisch die Gebärdensprache zu üben:

StadtLandHand

 

Stadt-Land-Hand, das ultimative Gebärden-Kartenspiel für schlaue Köpfe.

Wer kennt eine Gebärde zum Meer... Klar doch...

Aber auch mit einer der aufgedeckten Handformen?

Wer es am schnellsten erkennt, der gewinnt.... Aber keine Angst, es gibt 30 verschiedene Kategorieren, und da bist du dann sicher der Schnellste...Wer als erstes aus den vorgegebenen Handformen eine passende Gebärde weiss, deckt diese mit seiner Hand zu und produziert die Gebärde.

 

 

Gebärdenlexikon

www.spreadthesign.com/de

 

Sprachpflege

Während Früh-Schwerhörige und Gehörlose von klein auf durch logopädischen Einsatz die gesprochene Sprache (Lautsprache) künstlich vermittelt bekommen, lernen NF2-Betroffene die Lautsprache auf natürlichem Weg, denn der Hörverlust tritt meist erst nach dem Lautspracherwerb auf. Obwohl Letztere also das Sprechen beherrschen, kann es sein, dass mit Wegfall des Gehörs das Sprechvermögen nachlässt. Grund hierfür ist das durch den Hörverlust eingetretene Fehlen des wichtigsten Kontrollorgans über die eigene (Aus-) Sprache. Dies kann sich in zwei Richtungen auswirken: zum einen auf die Aufnahme von Sprache und zum anderen auf ihre Wiedergabe. Eine logopädische Betreuung ist daher außerordentlich wichtig.Unsere Sprache besteht aus Einzellauten, die miteinander verbunden werden und zu Wörtern oder Sätzen zusammengefügt werden. Die Laute sind also die Grundeinheiten jeder Verständigung. Für die Bildung eines Lautes sind, populär gesprochen, drei Faktoren wichtig: die Luftführung, die Stimme und die Mundstellung.

Bei NF2-Betroffenen kann die Artikulation durch eine evtl. auftretende Stimmband- oder Gesichtslähmung (ein- oder beidseitig) infolge eines Tumors beeinträchtigt sein. Werden bei einer Operation die Stimmbänder verletzt oder gelähmt, ist eine richtige Stimmgebung nicht mehr möglich. Aber man kann durch gezieltes Training erreichen, dass ein gesund gebliebenes Stimmband zum Teil die Funktion des anderen mit übernimmt. Fehler bei der Stimmbildung strengen in der Regel sehr an. Das führt dazu, dass der Betroffene immer leiser spricht oder sogar das Sprechen möglichst vermeidet - so das nötige „Stimmtraining" immer weniger wird und sich die Stimme dadurch weiter verschlechtert.

Mit unserer Stimme unterscheiden wir aber nicht nur Laute voneinander, sondern wir geben dem Gesagten eine Bedeutung. Allein durch die unterschiedliche Betonung kann ein Satz verschiedene Bedeutungen bekommen. Wenn wir z.B. wütend sind, fangen wir leicht an zu schreien. Wenn wir aufgeregt sind, klettert die Stimme in die Höhe. Wenn wir etwas fragen, aber auch! Wir erkennen am Tonfall Stimmungslagen: Wut, Ärger, Trauer oder Freude. Ob wir wollen oder nicht, wir teilen unsere Gefühle und Gedanken anderen mittels der Stimme mit. Von Geburt an taube Menschen können sich das nicht vorstellen, Spätertaubte müssen sich erinnern, wie sie eine Frage gehört haben. Schon allein die Vorstellung, wie eine Frage klingt, ist nach der Ertaubung schwer ins Gedächtnis zu rufen, wenn man als Hörender keine bewusste Erfahrung mit Intonation und Satzmelodie gemacht hat. Noch viel schwieriger ist es, diesen Tonfall selbst wieder zu produzieren. Die Satzmelodie verändert sich also, wenn man sie nicht mehr bei anderen bewusst oder unbewusst wahrnimmt. Die Sprache wird „monoton", d.h. sie verläuft nicht mehr in Höhen und Tiefen ähnlich einer Kurve, sondern eher in einer Linie, so dass es auf den Zuhörer „ermüdend" wirkt. Die feinen Differenzen, die das Sprechen normalerweise auszeichnen und auch spannend machen, fallen in dieser Sprechweise weg.

Das Ziel der Sprechpflege ist es daher, besser von anderen verstanden zu werden, etwas dazu zu tun, dass auch andere müheloser, entspannter und besser mit dem Ertaubten kommunizieren können.

 

Wieder selbst telefonieren

Wieder selbst telefonieren: Der Telefon-Dolmetschdienst Tess

Das Telefonieren war noch vor wenigen Jahren für schwer Hörgeschädigte unmöglich – das war eine große Hürde. Man musste immer einen Mitmenschen bitten anzurufen und wusste anschließend nicht genau, was gesprochen worden war.

Seit 2006 gibt es den Telefondolmetschdienst Tess, der Hörgeschädigten das Telefonieren ermöglicht. Es sind eigentlich zwei Dienste: TeSign für die (von Geburt) Gehörlosen, hier wird in Gebärdensprache übersetzt. Und TeScript für die Ertaubten und stark Schwerhörigen, hier wird das Gesagte verschriftlicht.

Da Tess unter der Leitung der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten-Selbsthilfe arbeitet, sind der hohe Standard der Dolmetscher und ihre Verschwiegenheit garantiert. Die Finanzierung der Dienste ist langfristig durch einen gesetzlichen Auftrag gesichert.

Und wie funktioniert es?

Der ganze Anruf wird über das Internet abgewickelt, daher braucht man einen schnellen Internet-Anschluss. Dann kann man sich auf der Homepage von Tess anmelden. Dort wird genau beschrieben, wie man vorgehen muss, Wer es allein nicht schafft: Das sehr nette und geduldige Support-Team von Tess hilft bei allen technischen Problemen bei der Installation und im Betrieb.

Zu den Kosten: Tess kostet (bei ausschließlich privater Nutzung) monatlich 5 Euro Grundgebühr plus Gesprächsgebühren in Höhe von 0,28 Euro/Minute. Bei beruflicher Nutzung sind die Gebühren etwas höher, werden aber bei Bedarf vom Integrationsamt bzw. dem Arbeitgeber getragen.

Tess-Kunden können auch von Guthörenden angerufen werden. Hierzu muss der hörgeschädigte Kunde online sein, der hörende Anrufer wählt die Servicenummer von TeScript 01805-837788 und sagt, wen es sprechen möchte. Kosten für die Anrufer aus dem Festnetz 0,14 Euro.

Tess bietet seine Dienste an allen Tagen der Woche von 8 bis 23 Uhr an. Manchmal muss man auf einen freien Dolmetscher ein bisschen warten, meistens klappt es sofort. Möglich sind alle Arten von Telefonaten, von der Terminvereinbarung bis zu Liebesschwüren.

Nicht möglich ist es, Tess zum „Ferndolmetschen" zu nutzen, wenn beide Gesprächspartner sich in einem Raum aufhalten (wie beim Arztgespräch in der Praxis). Hierzu siehe das Angebot von Verba Voice.

Seit einiger Zeit ist es für Hörgeschädigte mit guter Sprechkompetenz möglich, selbst mit dem Angerufenen zu sprechen. Das heißt bei TeScript „Voice carry over" oder kurz VCO. Man benötigt ein Headset (Kopfhörer und Mikrofon) und muss bei Gesprächsbeginn VCO anmelden. Man spricht dann ins Mikro und bekommt die Antwort auf dem Bildschirm. Das Tempo bei solchen Gesprächen ist wie bei Anrufen zwischen Guthörenden, da die Schriftmittler bei TeScript sehr schnell tippen können.

Und als „Sahnehäubchen" kann man Tess bald auch mit Mobiltelefon nutzen! Bei TeSign (Gebärdensprachdolmetschung) ist es schon möglich, für TeScript (Schriftmittlung) ist eine technische Lösung für Smartertaubtephones und Ipad in Vorbereitung.

Hilfe, ich habe einen Herzinfarkt! Wo bleibt der Krankenwagen - ein neues Zeitalter für den Notruf (Bericht von www.taubenschlag.de)

Notruf

Der Notruf ist für Gehörlose und Schwerhörige in Europa und Amerika gleichermaßen ein leidiges Thema - wenn wir überhaupt eingeschränkten Zugang haben, dann nur durch veraltete Methoden wie Schreibtelefon und Fax. Hörende können innerhalb von Sekunden eine Antwort erwarten, wenn sie 112 wählen. Wir dagegen müssen nach wie vor wertvolle Zeit damit vertändeln, ein verstaubtes Faxgerät hervorzukramen und dann hoffen und beten, dass die 112-Leitstelle mit unserem Anruf überhaupt klar kommt. Ganz davon zu schweigen, dass Schreibtelefone und Faxgeräte nicht auf digitalen Telefonnetzen funktionieren. Also mal hoffen, dass es mit dem Herzinfarkt doch nicht so schlimm ist?

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Kommunikation mit Hörgeschädigten

Tipps für die Kommunikation mit Hörgeschädigten

  • Nähern Sie sich Hörbehinderten nicht von hinten. Sie haben meist kein Richtungsempfinden oder hören Sie nicht kommen. (Schreck)
  • Verständigen Sie sich mit einem Schwerhörigen, Ertaubten oder Gehörlosen zunächst darüber, ob er von Ihrem Mund absehen kann oder ob nur eine schriftliche Kommunikation bzw. besondere Kommunikationsformen (LBG, DGS, Körpersprache) möglich ist.
  • Vermeiden Sie Nebengeräusche
  • Nennen Sie dem Hörbehinderten, besonders in Gesellschaft, gleich das Thema, worüber gesprochen wird, damit er dem Gespräch von Beginn an folgen kann.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Hörbehinderte in der Gesellschaft mitreden und mit lachen kann. Beziehen Sie ihn ins Gespräch ein und achten Sie darauf, dass er dem Thema folgen kann. Dadurch vermeiden Sie bei Hörbehinderten Gefühle von Einsamkeit und Isolation. Einsamkeit und Verlassenheit in der Gruppe tut mehr weh, als allein in einem Zimmer zu sein.
  • Beachten Sie, dass in einer Gesellschaft nicht alle Leute gleichzeitig und durcheinander sprechen sollten. Halten Sie eine Gesprächsdisziplin ein, bei der ein Sprecher nach dem anderen zu Wort kommt.
  • Wichtig fürs Lippenabsehen ist selbstverständlich, dass Sie stets den Blickkontakt beibehalten und für gute Lichtverhältnisse sorgen. Ihr Mund muss im Licht deutlich zu erkennen sein.
  • Sprechen Sie langsam, deutlich und ruhig und nie mit Zigarette oder Kaugummi im Mund. Schreien Sie nicht, da dies die Sprache nur verzerrt und zudem den Hörgeschädigten einschüchtert.
  • Hat ein Hörgeschädigter auch nach Wiederholung nicht verstanden, versuchen Sie, den Begriff anders zu umschreiben. Sprechen Sie in möglichst kurzen Sätzen und vermeiden Sie Verschachtelungen oder Fremdwörter
  • Lachen Sie den hörbehinderten Gesprächspartner nicht aus, wenn er falsche Antworten gibt oder falsch verstanden hat. Sagen Sie aber ruhig, was Sie als komisch empfunden haben.
  • Wenn der Hörbehinderte müde wird und nicht mehr dem Gespräch folgen kann, zeigen Sie dafür Verständnis. Hören und Mundablesen verlangen höchste Konzentration und führen schneller zur Ermüdung als beim Normalhörenden.

Für die Verständigung weiterhin nützlich ist das Fingeralphabet.

Genauso wichtig ist es umgekehrt allerdings auch, zu wissen, wie man sich als Hörgeschädigter selber zu verhalten hat:

  • Weisen Sie Ihren Gesprächspartner auf Ihre Hörbehinderung hin, damit er weiß, dass er deutlich und zu Ihnen hingewendet sprechen muss. Erklären Sie ihm, dass es nicht notwendig ist, überlaut zu sprechen oder gar zu schreien.
  • Verstecken Sie Ihr Hörgerät nicht. Tragen Sie es immer und sichtbar. Wenn Sie merken, dass die Lautstärke nicht ausreicht, kontrollieren Sie erst, ob Ihr Hörgerät richtig eingestellt ist oder ob eine neue Batterie eingesetzt werden muss.
  • Achten Sie aufmerksam darauf, dass der Mund bzw. das Gesicht des Gesprächspartners sichtbar bleibt. Bitten Sie ihn notfalls, sich so zu wenden, dass das Gesicht im Licht deutlich bleibt.
  • Geben Sie ein Beispiel und sprechen Sie selbst ruhig und deutlich.
  • Bleiben Sie geduldig und bitten Sie den anderen freundlich um Wiederholung, wenn Sie nichts verstanden haben. Täuschen Sie nicht vor, verstanden zu haben, wenn dies nicht der Fall ist.
  • Genieren Sie sich nicht, zu bekennen, etwas falsch verstanden zu haben. Tragen Sie es mit Humor und sagen Sie Ihrem Partner, was Sie verstanden haben.
  • Versuchen Sie, sich in einer Gesellschaft neben einen Teilnehmer zu setzen, der deutlich spricht und Sie über das Gesprächsthema informiert.
  • Versuchen Sie, Ihre gute Laune zu bewahren, auch wenn Sie manchmal nicht mitreden können.
  • Wenn Anstrengung, Ermüdung oder das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, Sie bedrücken, so machen Sie Ihre Partner freundlich darauf aufmerksam. Laufen Sie nicht einfach weg. Das ruft Verwunderung hervor und bessert nichts.

Ausführlichere Infos von :
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Kaiserbergklinik
Fachklinik für Hörstörungen, Tinnitus und Schwindel
Am Kaiserberg 8-10
61231 Bad Nauheim
Tel.: 06032 / 703-710
Fax: 06032 / 703-555
Flyer der Klinik

 

Das Recht auf Dolmetschen

In vielen Situationen müssen Hörgeschädigte mit (fremden) Hörenden kommunizieren. Wenn sie zum Arzt gehen, zu Ämtern und anderen staatlichen Stellen müssen, oder auch bei der Arbeit oder der Ausbildung zusammen mit Hörenden.

Hörgeschädigte haben in diesen Situationen einen Rechtsanspruch darauf, das Gesagte sofort selbst zu verstehen.

Bei (von Geburt an) Gehörlosen, die meist die Lautsprache nicht gut beherrschen, wird das in der Regel durch einen Gebärdensprachdolmetscher sicher gestellt.

Bei Ertaubten (die meist die Gebärdensprache nicht gut beherrschen) können professionelle Schriftmittler eingesetzt werden, es kann aber in manchen Fällen (z.B. in Ämtern) auch selbst geschrieben werden. Wenn Ertaubte Gebärden beherrschen, können sie auch Gebärdendolmetscher etwa zum Arzt mitnehmen.

→ Staatliche Stellen und Ämter

Für staatliche Stellen (Polizei, Behörden, Sozialberatung) gilt, dass die Behörde für die Informationsübermittlung sorgen muss.
Je nach persönlichen Bedürfnissen der Hörgeschädigten kann das ein Gebärdensprachdolmetscher sicher stellen; bei Ertaubten wird meist geschrieben, selbst einen Dolmetscher mitbringen darf der Hörgeschädigte nicht (außer er bezahlt ihn selbst).

Wer einen hörenden Angehörigen mitnimmt, darf sich nicht wundern, wenn alles an ihm vorbei geht. Es hängt davon ab, wie wichtig es dem Hörgeschädigten ist, selbst zu verstehen.

→ Gesundheitsbereich

Bei Arztbesuchen ist die Sache anders. Hier haben Hörgeschädigte ein Recht, ihren Dolmetscher mitzubringen, die Krankenkasse muss es bezahlen. Dafür muss der Betroffene einmal am Anfang einen Antrag bei seiner Krankenkasse stellen. Bei vollständig Ertaubten ist das nur eine Formalität, bei an Taubheit grenzend Schwerhörigen kann es länger dauern.

Wenn dieser Antrag genehmigt ist (Ertaubte haben darauf ein Recht!), muss sich der Hörgeschädigte für jeden Arztbesuch selbst einen für ihn passenden Dolmetscher suchen und ihn buchen.
Es ist weniger kompliziert als es sich liest, die Dolmetscher bringen alles mit, die Vermittlungsstellen helfen.

Ein großes Problem sind Visiten im Krankenhaus. Im Grunde gilt auch hier das Recht auf Dolmetscher, aber die Krankenkassen finanzieren es nicht und die Krankenhäuser auch nicht. Es wäre auch schwer zu realisieren, denn die Visiten haben keine festen Termine.
Aber auch hier muss man darauf bestehen, dass man alles versteht, es muss geschrieben werden.

→ Arbeitsleben

Im Arbeitsleben haben schwerst Hörgeschädigte einen Rechtsanspruch auf die Finanzierung von Dolmetschern (Gebärden- oder Schreibdolmetschern), wenn sie für ihre Arbeit kommunizieren müssen. Zum Beispiel bei Teambesprechungen oder Außenterminen.

Der Arbeitgeber muss beim Integrationsamt den Antrag stellen, entweder für einzelne Dolmetschtermine (z.B. Schulungen), oder aber auf ein persönliches Budget, das der Hörgeschädigte selbst verwalten kann. Das Budget muss in einem Verhältnis zum Einkommen stehen und der Hörgeschädigte muss eine wöchentliche Mindeststundenzahl von 15 Stunden arbeiten.

→ Berufsausbildung und Studium

In der Berufsausbildung, bei Bewerbungsgesprächen und bei der Arbeitsberatung bezahlt das Integrationamt die für den Hörgeschädigten passenden Dolmetscher.

Im Studium gilt ebenfalls ein Rechtsanspruch auf Dolmetschung der eigenen Wahl. Dabei gibt es keine Einschränkung in der Wahl des Studienfachs oder der Hochschule – theoretisch.

Es ist jedoch von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich organisiert, am besten man informiert sich vorher beim Behindertenbeauftragten der jeweiligen Hochschule. Und auch bei der BHSA, der Organisation der hörgeschädigten Studenten und Absolventen

→ Kultur und Gesellschaft

Zunehmend werden auch bei Stadtführungen, Ausstellungen und anderen kulturellen Events besondere Führungen für Hörgeschädigte mit Gebärdensprachdolmetschern angeboten.

Auch Veranstaltungen werden immer öfter auch Hörgeschädigten zugänglich gemacht durch Gebärdendolmetschung oder Schriftmittler.

 

VerbaVoice (Ferndolmetschen)

VerbaVoice     verbavoice-logo

VerbaVoice ist ein Übersetzungsdienst für Hörgeschädigte mit Sitz in München, der über Mikrofon und Internet von überall mobil genutzt werden kann. Die gesprochene Sprache wird wahlweise in Schrift oder in Gebärdensprache umgewandelt. Die Übertragung ist live. Hörgeschädigte Menschen können also mitlesen und damit aktiv am Geschehen teilnehmen.

Die Sprecher (Dozent, Kollege, Anwalt, usw.) sprechen in ein Mikrofon. Über das Internet bzw Handynetz wird das Gesprochene zu einem Schriftdolmetscher gesendet. Der Dolmetscher produziert einen Text und schickt diesen über das System zurück auf den Bildschirm. All dies geschieht in schnellster Zeit sodass nur kleine Verzögerungen bemerkbar sind.

Das A & O bei verbavoice ist ein Gerät mit Internetzugang und ein Mikrofon, beispielsweise ein Laptop oder Tablet. Smartphone Bildschirme sind oft zu klein aber eine gute Alternative. Je nach Gerät wird einem nach Anmeldung bei verbavoicegezeigt wie man es handhabt.

Verbavoice ersetzt einen persönlich anwesenden Dolmetscher. Die Voraussetzungen für die Nutzung von Ferndolmetschern von Verbavoice sind genau wie bei den „Live-Dolmetschern" vor Ort: man muss einen Kostenträger haben und man muss die Dolmetschzeit angeben.

Letzteres könnte die Nutzung dieses Service bei Arztgesprächen erschweren. Da man den gesamten Zeitraum anmelden muss und nie genau sagen kann, wann man in Arztpraxen drankommt, bzw im Krankenhaus die Visite kommt, ist es in dieser Hinsicht noch nicht 100% praxistauglich.

Ein Erfahrungsbericht

Fabian: Ich nutze den Dienst von Verbavoice derzeit nur beruflich, privat noch nicht, das kommt aber bestimmt bald.

Die Beauftragung klappt super, entweder per Mail oder auch WhatsApp, wenn man die Handy-Nrder Ansprechpartners hat, als auch mit dem Auftragsformular im Internet. Das ist aber noch ausbaufähig.

Einmal reichte sogar ein Vorlauf von nur 4 Stunden, es sollten aber besser mehrere Arbeitstage sein.
Die Dolmetscher sind auch relativ flexibel, wenn sie nicht grade einen zeitgenauen Folgtetermin haben. So ist es normalerweise kein Problem, wenn aus einer geplanten Stunde auch mal 1,5h werden.

Die Qualität kann ich für mich nur als gut bezeichnen, trotz des ganzen Fachchinesich bleibt es verständlich, ich weiss ja worum es geht :-). Klar ist aber auch, dass ein Schriftdolmetscher dem gesprochenem Wort immer etwas hinterher hängt, so dass es dadurch zu einer kleinen Verzögerung kommt.

Wenn es Probleme gibt, und die gibt es leider immer mal wieder, liegt das aber ausschließlich an der Technik. Entweder ist das Netz nicht stabil genug oder, wie es jetzt grade beim letzten Meeting passiert ist, das externe Mikro (das am Laptop angeschlossen ist) überträgt kein Signal zum Server.

Wir konnten in dem Fall das Problem aber schnell kompensieren, indem ich mit dem iPhone App eine Verbindung aufgebaut habe. Der Dolmetscher hörte dann was gesagt wurde über das iPhone und ich konnte es in gewohnter Größe am Laptop mitlesen. War klasse!

Und was natürlich wichtig ist: Gesprächsdiziplin! Also nicht ins Wort fallen und durcheinander reden, sonst ist das ganze nicht zu verschriftlichen. Meistens klappt es, und wenn es manchmal zu bunt wird muss mal auch mal laut STOP sagen und alle Beteiligten wieder drauf hinweisen. Dann geht es auch:-).

Auf Seminaren hatte ich Verbavoice auch schon zweimal dieses Jahr über jeweils eine Woche im Einsatz und war mehr als zufrieden. Denn man kann auch mal etwas "nachlesen" wenn man mal kurz raus war. Eine Herausforderung bleibt aber immer die technische Ausstattung: einmal das Netz, wie man angebunden ist und zum zweiten die Mikros. Letztere bekomme ich problemlos von Verbavoice zugeschickt nur das Netz selbst macht manchmal Zicken. Aber mit zunehmender guter UMTS Netzabdeckung wird das bald auch in Kleinkleckersdorf bestens mittels iPhone&Co funktionieren. Und dann ist es auch für mich an der Zeit, den Dienst mal beim Arzt zu nutzen.

 

 

 

 

Ansprechpartner

Benedikt Weber Benedikt Weber

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