Informationen für Betroffene

Informationen für Betroffene

Bei allen seltenen Erkrankungen ist es immer sehr schwer, fachkompetente Beratung zu erhalten. Viele Ärzte haben in ihrer gesamten Berufszeit nie einen Patienten mit Neurofibromatose gesehen und auch keine Erfahrung mit dieser Erkrankung. Wir raten daher Betroffenen, sich zu einer kostenfreien Erstberatung an den Bundesverband Neurofibromatose zu wenden.

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Informationen zum Helfen und Spenden

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"Ich möchte Euch Mut machen,

am Ball zu bleiben und

Eure Ziele weiter zu verfolgen!"

   Oliver Baumann, Bundesligatorwart,
   unterstützt den Bundesverband Neurofibromatose

Informationen für Ärzte

Informationen für Ärzte

Die Krankengeschichte von Patienten mit Neurofibromatose Typ 1 gleicht selten einem geraden Weg. Häufig durchlaufen Betroffene eine leidvolle Odysee bis schließlich die richtige Diagnose gestellt und mit einer adäquaten Behandlung begonnen wird. Dies beruht auf mangelnder Kenntnis über dieses relativ seltene Krankheitsbild.

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Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik auf Neurofibromatose

Vorgeburtliche genetische Diagnostik – ein Leitfaden für werdende Eltern mit Neurofibromatose

1. Einleitung

Sicher wünscht sich Jeder ein gesundes Kind. Dieser Wunsch geht für die meisten Eltern in Erfüllung, denn nur ca. 5% aller Neugeborenen kommen mit schwerwiegenderen Fehlbildungen oder Erkrankungen zur Welt. Wenn bei einem Elternteil bereits eine erbliche Erkrankung wie z.B. Neurofibromatose bekannt ist, addiert sich jedoch zu dem sog. Basisrisiko von ca. 5% das statistische Wiederholungsrisiko für die jeweilige erbliche Erkrankung hinzu.

Ziel der vorgeburtlichen genetischen Diagnostik ist es zu überprüfen, ob beim Feten bestimmte Veränderungen des Erbmaterials vorliegen oder nicht. Die präkonzeptionelle Diagnostik hat hingegen zum Ziel, unter künstlich befruchteten Eizellen diejenigen auszuwählen, die den familiären genetischen Defekt (einer Erbkrankheit oder Chromosomenstörung) nicht tragen, um eine Fehl- oder Totgeburt oder die Geburt eines betroffenen Kindes zu vermeiden.

Vorgeburtliche genetische Diagnostik kann zum einen gezielt im Hinblick auf Neurofibromatose (oder eine andere in der Familie vorkommende Erbkrankheit) erfolgen. Zum anderen werden vorgeburtliche Untersuchungen angeboten, um verschiedene häufigere fetale Erkrankungen, z.B. Chromosomenstörungen, frühzeitig zu entdecken. Wird ein auffälliger Befund erhoben, stellt sich zuerst einmal die Frage nach den therapeutischen Möglichkeiten. Ist keine Therapie verfügbar, besteht die Wahl zwischen einem Schwangerschaftsabbruch oder der Entscheidung für das Leben mit dem betroffenen Kind.

Grund (Indikation) für eine vorgeburtliche genetische Diagnostik kann sowohl ein erhöhtes (statistisches) Risiko für eine Chromosomenstörung als auch für eine in der Familie bekannte genetische Erkrankung sein. Erfolgt eine molekulargenetische Untersuchung nach invasiver Entnahmetechnik wegen einer bekannten monogenen Erkrankung in der Familie wie z.B. Neurofibromatose, wird der Schwangeren i.d.R. parallel auch eine Chromosomenanalyse an dem entnommenen Material angeboten. Auch auffällige Vorbefunde oder der Wunsch der Eltern können Anlass zur vorgeburtlichen genetischen Diagnostik sein. Grundsätzlich gilt, dass die statistische Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer medizinisch relevanten Erkrankung des Feten höher sein sollte als das mit einer invasiven Entnahmetechnik verbundene Eingriffsrisiko.

Zur Entscheidungsfindung für oder gegen eine vorgeburtliche/präkonzeptionelle Diagnostik, für die Auswahl des Entnahme- und Untersuchungsverfahrens sowie für die Abwägung möglicher Konsequenzen empfehlen sich sowohl ausführliche Gespräche mit den betreuenden Fachärzten als auch eine genetische Beratung durch einen Facharzt für Humangenetik. Im Rahmen der genetischen Beratung werden u.a. die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der verfügbaren Untersuchungsmethoden erläutert, aber auch Alternativen (Recht auf Nicht-Wissen, Adoption, Verzicht auf Kinder etc.) aufgezeigt. Am Ende sind die Entscheidung für oder gegen eine vorgeburtliche/präkonzeptionelle Diagnostik, die Wahl der Untersuchungsmethode wie auch die aus dem Untersuchungsergebnis abgeleiteten Konsequenzen immer eine höchst individuelle Entscheidung der Schwangeren bzw. des Paares, die keiner Rechtfertigung bedürfen.

Die genetische Beratung sollte von ratsuchenden Eltern als Chance genutzt werden, sich vor einer vorgeburtlichen Diagnostik mit den möglichen Konsequenzen eines auffälligen Ergebnisses auseinander zu setzen und eine als Paar gemeinsam tragfähige Entscheidung zu finden. Denn ist die „diagnostische Mühle“ einmal in Gang gesetzt, empfinden viele Schwangere/Paare den Druck des Faktischen als belastend oder gar fremdbestimmend. Durch eine frühzeitige Planung der Diagnostik und intensive Auseinandersetzung mit allen Optionen können Zeitdruck, Entscheidungsnot und Paarkonflikte reduziert oder gar vermieden werden.

 

2. Auf welche Erkrankungen wird bei einer vorgeburtlichen Diagnostik untersucht?

Angeborene Fehlbildungen können aufgrund einer erblichen Veranlagung oder zufällig (sporadisch) entstehen. Erbliche Veranlagungen können einzelne Gene (monogene Erkrankungen) oder ganze Chromosomen(regionen) betreffen. Veränderungen einzelner Gene lassen sich durch molekulargenetische Untersuchungen nachweisen, während Chromosomenstörungen mittels Chromosomenanalyse festgestellt werden. Um bestimmte genetische Erkrankungen auszuschließen oder nachzuweisen, müssen Zellen des Feten untersucht werden. Da diese bisher meist mittels invasiver Entnahmetechniken gewonnen wurden, werden vielfach nichtinvasive Untersuchungen vorgeschaltet, mit denen jedoch nur eine gewisse Abschätzung des jeweiligen Erkrankungsrisikos möglich ist.

Eine vorgeburtliche genetische Diagnostik ist in Deutschland seit Inkrafttreten des Gendiagnostikgesetzes nur im Hinblick auf Erkrankungen erlaubt, welche die Gesundheit des Feten während der Schwangerschaft oder nach der Geburt beeinträchtigen und die i.d.R. vor dem 18. Lebensjahr ausbrechen oder wenn eine Behandlung des Embryos oder Feten mit einem Arzneimittel vorgesehen ist, dessen Wirkung durch bestimmte genetische Eigenschaften beeinflusst wird.

 

3. Vererbung der Neurofibromatose

Die Neurofibromatose (Typ 1 und 2) ist eine monogene Erkrankung. Beide Formen der Neurofibromatose werden autosomal-dominant vererbt. Autosomal bedeutet, dass beide Geschlechter gleich häufig betroffen sind. Dominant bedeutet, dass bereits die Veränderung einer der beiden elterlichen Erbanlagen zum Krankheitsausbruch führt. Deshalb beträgt das Wiederholungsrisiko für Kinder von Betroffenen unabhängig vom Geschlecht 50%.

Neurofibromatose Typ 1 und Typ 2 werden durch Veränderungen (Mutationen) in den Erbanlagen (Genen) NF1 bzw. NF2 verursacht. Es gibt verschiedene Mutationstypen, welche die Funktionsfähigkeit dieser Gene in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigen. So können z.B. einzelne Elemente der Erbinformation (Nukleotide) ausgetauscht sein (Punktmutation) oder unterschiedlich große Bereiche verloren gehen (Deletionen) oder verändert sein. Funktionsbeeinträchtigende Veränderungen der NF-Gene führen praktisch immer zu Symptomen der jeweiligen Form der Neurofibromatose (vollständige Penetranz). Allerdings kann die Ausprägung von kaum sichtbar bis schwerwiegend variieren (variable Expressivität). Theoretisch wäre zu erwarten, dass sich die Krankheit umso stärker und früher ausprägt, je stärker die Funktion des Gens beeinträchtigt wird. Allerdings beeinflussen weitere genetische und nichtgenetische Faktoren die Krankheitsausprägung, wodurch diese i.d.R. sehr variabel sein kann. Dadurch ist es möglich, dass ein von der Neurofibromatose nur leicht betroffener Elternteil ein schwerer betroffenes Kind bekommen kann und umgekehrt. Die meist schwer vorhersagbare Krankheitsausprägung macht die Entscheidung für oder gegen eine vorgeburtliche Diagnostik im Hinblick auf die Neurofibromatose für ratsuchende Eltern oft besonders schwer.

 

4. Nichtinvasive Untersuchungen

Unter „nichtinvasiv“ sind hier Untersuchungsverfahren zusammengefasst, die nicht mit dem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt einhergehen. Das mit der Blutentnahme bei der Mutter verbundene Risiko wird dabei als vernachlässigbar betrachtet. Zu diesen Verfahren gehören prinzipiell der Ultraschall und Untersuchungen am Blut der Schwangeren sowie in gewissem Sinne auch die präkonzeptionelle Diagnostik (Präimplantationsdiagnostik und Polkörperdiagnostik). Die Kosten für derartige Untersuchungen übernehmen die Krankenkassen meist nur teilweise oder gar nicht.

4.1 Ultraschall

Durch eine Ultraschalluntersuchung können - insbesondere im Rahmen des Feinultraschalls im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel – verschiedene innere (z.B. Herzfehler) und äußere (z.B. Klumpfuß) fetale Fehlbildungen erkannt werden. Jedoch sind kleinere Fehlbildungen wie auch die mit der Neurofibromatose einhergehenden typischen körperlichen Auffälligkeiten beim Feten zu diesem Zeitpunkt i.d.R. noch nicht vorhanden oder meist nicht erkennbar, so dass diese risikofreie Methode für die vorgeburtliche Diagnostik einer Neurofibromatose nicht geeignet ist.

4.2 Nichtinvasive Pränataldiagnostik am Blut der Schwangeren (NIPD)

Im Blut der Schwangeren befindet sich Erbmaterial (freie DNA), welches überwiegend von der Schwangeren, aber zum Teil auch vom Feten stammt. Durch den Vergleich mit bekannten elterlichen Erbmerkmalen können Rückschlüsse auf Erbmerkmale des ungeborenen Kindes gezogen werden. Diese Untersuchungsmethode wird derzeit zur Abschätzung des Risikos für Zahlabweichungen (Aneuploidien) der Chromosomen 13, 18, 21, X und Y beim Feten angeboten. Die Erkennungsrate für Trisomie 21 liegt zwar inzwischen bei über 99% bei weniger als 0,1% falsch positiven Ergebnissen, trotzdem wird zumindest im Falle eines auffälligen Ergebnisses noch eine Bestätigung durch eine invasive Diagnostik empfohlen. Der Vorteil dieser Methode, die bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche angeboten wird, ist zum einen der frühe Untersuchungszeitpunkt. Zum anderen kann man zumindest im Falle eines unauffälligen Ergebnisses auf eine invasive Diagnostik verzichten und somit das damit verbundene Risiko einer Fehlgeburt vermeiden. Prinzipiell hat diese Methode auch das Potential, genetische Ursachen monogener Erkrankungen wie Neurofibromatose beim Feten zu erkennen. Der Nachweis ist für mehrere monogene Erkrankungen in Einzelfällen bereits gelungen. Für eine breite diagnostische Anwendung ist jedoch noch einiger Forschungs- und Etablierungsaufwand notwendig.

4.3 Präkonzeptionelle Diagnostik

Unter dem Begriff der präkonzeptionellen Diagnostik werden die Polkörperdiagnostik (PKD) und die Präimplantationsdiagnostik (PID) zusammengefasst. Diese Untersuchungen finden an der befruchteten Eizelle bzw. den sich daraus entwickelnden Tochterzellen statt. Voraussetzung ist deshalb immer eine künstliche Befruchtung (in-vitro-Fertilisation), da die Untersuchung der Zellen außerhalb des Mutterleibes erfolgt. Anschließend werden maximal drei Eizellen/Embryonen, die den genetischen Defekt nicht tragen, in die Gebärmutter übertragen. Auf diese Weise kann der Abbruch einer Schwangerschaft wegen eines betroffenen Feten und die Notwendigkeit einer invasiven Diagnostik mit dem Risiko einer Fehlgeburt vermieden werden. Übrige Eizellen/Embryonen, bei denen der Gendefekt ausgeschlossen wurde, können für eine zukünftige Übertragung eingefroren werden. Eizellen/Embryonen mit nachgewiesenem Gendefekt werden der Frau nicht übertragen und sterben dadurch ab. Darin besteht – neben der Notwendigkeit einer künstlichen Befruchtung unabhängig von der Fruchtbarkeit der Frau - eines der ethischen Probleme der präkonzeptionellen Diagnostik.

Die Erfolgschancen dieser Verfahren hängen ganz wesentlich vom Alter der Frau ab, da Menge und Lebensfähigkeit der durch eine Hormonbehandlung künstlich gereiften Eizellen mit dem Alter der Frau abnehmen. Außerdem entwickeln sich nicht alle Eizellen/Embryonen in vitro weiter und die Eizellen/Embryonen mit nachgewiesenem Gendefekt werden nicht übertragen. So reduziert sich die Anzahl der verfügbaren Eizellen/Embryonen, wodurch in Abhängigkeit vom mütterlichen Alter und dem gewählten Verfahren derzeit nur ca. 5-30% der behandelten Frauen ein Kind zur Welt bringen.

Die Kosten für diese Verfahren sind erheblich und werden zurzeit nur in geringem Umfang von den Krankenkassen übernommen.

4.3.1 Polkörperdiagnostik

Bei der Polkörperdiagnostik (PKD) werden die beiden sog. Polkörperchen untersucht, die nach der Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle, aber noch vor Verschmelzung des mütterlichen und väterlichen Zellkerns von der Eizelle abgegeben werden. Mittels PKD können nur beschränkte Rückschlüsse ausschließlich auf mütterlich vererbte Merkmale des Kindes gezogen werden. Trägt der Vater z.B. eine NF-Mutation, ist eine PKD nicht zielführend.

4.3.2 Präimplantationsdiagnostik

Bei der PID werden der sich aus der befruchteten Eizelle entwickelnden Zellmasse sehr früh eine oder einige wenige Zellen entnommen und auf die in Frage stehende Erbkrankheit(en) untersucht. Da diese Zellen die kompletten Erbanlagen des Feten enthalten, kann sowohl auf die Übertragung mütterlicher als auch väterlicher Erbanlagen untersucht werden.

 

5. Invasive Entnahmetechniken

Als invasiv werden chirurgische Entnahmen fetaler Zellen/Gewebe bezeichnet, die mit einem erhöhten Risiko einer Fehlgeburt einhergehen. Dies sind die Plazentapunktion (Chorionzottenbiopsie), die Fruchtwasserentnahme (Amniozentese) und die Nabelschnurpunktion (Cordozentese). Sowohl die Entnahmetechniken als auch die anschließenden Untersuchungen werden i.d.R. von den Krankenkassen bezahlt.

5.1 Chorionzottenbiopsie

Die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus dem kindlichen (fetalen) Anteil des Mutterkuchens (Plazenta), die sog. Chorionzottenbiopsie, wird im Allgemeinen zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche durch die Bauchdecke durchgeführt. An dem Gewebe können bei Bedarf sowohl die molekulargenetische Untersuchung im Hinblick auf die familiäre Mutation im jeweiligen NF-Gen als auch eine Chromosomenanalyse durchgeführt werden.

Die molekulargenetische Untersuchung dauert i.d.R. zwei Wochen. Ein erstes, vorläufiges Ergebnis der Chromosomenanalyse an Chorionzotten liegt i.d.R. bereits 24 h nach dem Eingriff vor, dass jedoch durch eine Chromosomenanalyse nach Zellkultivierung abgesichert werden muss, welches nach etwa zwei Wochen vorliegt. Bei bis zu 5% der Proben ist das Ergebnis der Chromosomenanalyse an Chorionzotten nicht eindeutig und muss weiter abgeklärt werden. Der frühe Untersuchungszeitpunkt ist der wesentliche Vorteil der Chorionzottenbiopsie gegenüber Amniozentese und Cordozentese. Das Risiko, dass durch die Chorionzottenbiopsie eine Fehlgeburt ausgelöst wird, beträgt weniger als 1%.

5.2 Amniozentese

Die Entnahme von (etwa 10-15 ml) Fruchtwasser, die sog. Amniozentese, erfolgt i.d.R. zwischen der 13. und der 18. Schwangerschaftswoche durch die Bauchdecke. Am Fruchtwasser kann neben der molekulargenetischen Untersuchung im Hinblick auf die familiäre NF-Mutation parallel auch eine Chromosomenanalyse sowie eine Eiweißbestimmung zum Ausschluss eines Neuralrohrdefektes durchgeführt werden.

Ein Teilergebnis der Chromosomenanalyse kann mit dem sog. Schnelltest bereits nach einem Tag erhoben werden. Das Ergebnis beschränkt sich jedoch auf die Anzahl der Chromosomen 13, 18, 21, X und Y – über deren Struktur sowie die Anzahl aller anderen 19 Chromosomenpaare kann dieser Test keine Auskunft geben. Diese Informationen können nur durch die Chromosomenanalyse nach Zellkultivierung gewonnen werden. Das endgültige Ergebnis liegt nach etwa 10-14 Tagen vor. Das Risiko, dass durch die Amniozentese eine Fehlgeburt ausgelöst wird, beträgt etwa 0,5 %.

5.3 Cordozentese

Die Entnahme von Fetalblut aus der Nabelschnur, die sog. Cordozentese, wird i.d.R. ab der 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Sie kann z.B. notwendig sein, um einen kontrollbedürftigen Befund an Chorionzotten oder Fruchtwasser durch Untersuchung eines unabhängigen Gewebes abzuklären. Am fetalen Blut können sowohl molekulargenetische Untersuchungen z.B. auf eine NF-Mutation als auch eine Chromosomenanalyse oder immunologische Untersuchungen (z.B. Erreger-Nachweise, Blutgruppen- und Antikörper- Bestimmungen) durchgeführt werden. Das Ergebnis einer Chromosomenanalyse aus Fetalblut steht nach etwa 5 Tagen zur Verfügung. Das Risiko, dass durch die Nabelschnurpunktion eine Fehlgeburt ausgelöst wird, beträgt etwa 2-3%.

 

6. Untersuchungstechniken

6.1 Molekulargenetische Untersuchung, z.B. auf Mutationen in den NF-Genen

Bei der molekulargenetischen Diagnostik wird das jeweilige Untersuchungsmaterial gezielt auf diejenige Veränderung untersucht, die als Ursache der familiären/elterlichen Erkrankung wie z.B. Neurofibromatose bekannt ist. Voraussetzung für eine vorgeburtliche molekulargenetische Diagnostik ist also, dass die der familiären/elterlichen Erkrankung zugrunde liegende genetische Veränderung bekannt ist. Die Untersuchung kann an Chorionzotten, Fruchtwasser oder Nabelschnurblut durchgeführt werden.

6.2 Chromosomenanalyse

Bei der Chromosomenanalyse werden die Chromosomen, die Träger der Erbinformation, im Mikroskop sichtbar gemacht und untersucht. Dabei wird der gesamte Chromosomensatz des Menschen dargestellt. Dadurch können sowohl Abweichungen von der normalen Chromosomenzahl (z.B. 47 anstatt 46 Chromosomen wie bei Trisomie 21) als auch grobe Veränderungen der Chromosomenstruktur nachgewiesen werden. Chromosomenveränderungen, die kleiner sind als das mikroskopische Auflösungsvermögen und Defekte einzelner Gene lassen sich so nicht feststellen.

6.3 Untersuchung auf Neuralrohrdefekte

Verschlussstörungen des Zentralnervensystems (Neuralrohrdefekte) wie z.B. der sog. offene Rücken (Spina bifida) entstehen früh in der Schwangerschaft. Wenn der Neuralrohrdefekt nicht von Haut bedeckt ist, kann die Konzentration eines vom Feten in das Fruchtwasser abgegebenen Eiweißes (Alpha 1-Feto-Protein, AFP) ansteigen. Unter bestimmten Umständen können zusätzliche Untersuchungen (z.B. Bestimmung des nervengewebsspezifischen Enzyms Acetylcholinesterase (AChE) im Fruchtwasser) indiziert sein.

 

7. Rechtliche Grundlagen

7.1 Gendiagnostikgesetz (GenDG)

Seit Inkrafttreten des GenDG am 1.2.2010 müssen Schwangere vor jeder genetischen Pränataldiagnostik und zur Ergebnismitteilung durch einen dafür qualifizierten Arzt genetisch beraten werden. Nur im Einzelfall darf die Schwangere nach Aushändigung schriftlicher Informationen über die Beratungsinhalte auf die Beratung verzichten. Die Untersuchung darf erst nach ärztlicher Aufklärung und mit schriftlicher Einwilligung der Schwangeren nach einer angemessenen Bedenkzeit begonnen werden.
Sowohl die Chromosomenanalyse als auch molekulargenetische Untersuchungen an Chorionzotten, Fruchtwasser und Nabelschnurblut wie auch die NIPD unterliegen den Anforderungen des Gendiagnostikgesetzes. Auch für einige nichtinvasive pränataldiagnostische Methoden, wie der Ultraschall und das sog. Ersttrimester-Screenings gilt das GenDG, wenn sie angewendet werden, um gezielt die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer bestimmten erblich bedingten Erkrankung abzuschätzen. Die Präimplantationsdiagnostik und die Polkörperdiagnostik unterliegen hingegen nicht dem Anwendungsbereich des GenDG.

7.2 Embryonenschutzgesetz

Das Embryonenschutzgesetz (ESchG) verbietet seit 1990 u.a. die Entnahme und Übertragung von Eizellen zu einem anderen Zweck als der Herbeiführung einer Schwangerschaft bei der Frau, von der die Eizelle stammt. Somit ist eine Eizellspende in Deutschland gesetzlich verboten. Auch die PID galt damit als verboten, wurde jedoch 2011 durch eine Ergänzung des § 3 (= Präimplanationsdiagnostikgesetz) begrenzt zugelassen. Da die Polkörperdiagnostik hingegen nicht gegen das ESchG verstößt, war sie in Deutschland bis 2011 die einzige erlaubte Form der präkonzeptionellen Diagnostik. Die PKD unterliegt zwar dem Anwendungsbereich des Embryonenschutzgesetztes, aber nicht dem Gendiagnostikgesetz und nicht dem Präimplanationsdiagnostikgesetz.

7.3 Präimplantationsdiagnostikgesetz (PIDG) und zugehörige Rechtsverordnung (PIDV)

Die PID ist seit Änderung des Embryonenschutzgesetzes durch Einfügung eines neuen Paragraphen 3a auch in Deutschland unter bestimmten Bedingungen straffrei. Sie darf an speziell dafür zugelassenen Zentren von dafür spezialisierten Ärzten durchgeführt werden, wenn aufgrund der Erbanlage eines oder beider Elternteile ein hohes Risiko für eine schwerwiegende Erkrankung der Nachkommen oder eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Tot- oder Fehlgeburt besteht. Die Durchführungsbestimmungen sind im Detail in der Präimplantationsdiagnostik- Verordnung (PIDV) geregelt.

Um eine PID in Deutschland durchführen zu lassen, muss die Frau einen schriftlicher Antrag an eine PID-Ethikkommission stellen und die medizinischen Voraussetzungen einer PID durch entsprechende Befunde belegen. Die PID-Ethikkommissionen entscheiden innerhalb einer Frist von drei Monaten darüber, ob unter Berücksichtigung der im konkreten Einzelfall maßgeblichen psychischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkte die Voraussetzungen des PIDG erfüllt sind. Ob eine Neurofibromatose eine schwerwiegende Erkrankung ist, bleibt also eine auf den individuellen Einzelfall bezogene Entscheidung einer PID-Ethikkommission.

Dr. Simone Heidemann, Institut für Tumorgenetik Nord, Kiel
und
Prof. Dr. Andreas Gal, MVZ Heidrich und Kollegen, Hamburg

Text "Vorgeburtliche genetische Diagnostik" als PDF-Datei zum Download

 

Humangenetische Beratung

Aspekte einer Humangenetischen Beratung bei NF 1

1. Molekulargenetik - Fakten

Die Fakten

"Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) ist eine autosomal dominant vererbbare Prädisposition für bestimmte Tumoren und zahlreiche weitere Symptome. Ihre molekulare Ursache hat sie in einer heterozygoten Mutation im NF1 Gen auf dem Chromosom 17 (17q11.2). Die Penetranz der NF1 ist praktisch vollständig, die intrafamiläre Variabilität für Symptome sehr hoch. Es gibt kaum Genotyp- Phänotypkorrelationen."

Was heißt das?

1.1. NF1 durch NF1 Mutation

Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) entsteht durch eine genetische Veränderung (Mutation) in einem der beiden NF1 Gene in der befruchteten Eizelle. Die beiden NF1 Gene liegen auf den Chromosomen 17 an einer bestimmten Stelle, der Position 17q11.2.

In jeder Körperzelle besitzt der Mensch zwei NF1 Gene. Wenn in der ersten Zelle eines neu entstehenden Körpers, der befruchteten Eizelle, in einem der beiden NF1 Gene eine Mutation vorliegt (=heterozygot), findet man diese Mutation danach in allen Körperzellen. In jeder Körperzellen eines NF1 Betroffenen gibt es also im Allgemeinen ein mutiertes NF1 Gen und ein intaktes.

Eine NF1 Mutation kann man mit molekulargenetischen Methoden charakterisieren. Dies erfolgt in einer so genannten NF1 Mutationsanalyse. Da das komplette NF1 Gen mit etwa 300 000 Basenpaaren (DNA Bausteine) sehr groß ist, kann die Suche nach der einen spezifischen DNA-Veränderung (Mutation) sehr aufwendig sein und gelingt nicht immer. Die eingesetzten Methoden werden aber immer besser.

1.2. Spontan-Familiär

Die NF1 Mutation kann von einem der beiden Elternteile ererbt sein oder neu entstanden sein.

Die Hälfte der von der NF1 Betroffenen hat diese Mutation im NF1 Gen von einem seiner beiden Elternteile geerbt, wir sprechen von einer familiären NF1. Bei der anderen Hälfte der Betroffenen tritt die NF1 Mutation erstmals in der Familie auf, wir sprechen von einer NF1 Neumutation.

1.3. Weitergabe Risiko von 50 %

Wenn man in allen Körperzellen in einem der beiden NF1 Gene eine Mutation hat, hat man diese eine NF1 Mutation auch in den Vorläuferzellen der eigenen Keimzellen.

Bei der Ei- oder Samenzellbildung werden die beiden NF1 Gene, das intakte und das mutierte, auseinander sortiert. Jede Ei- oder Samenzelle weist nur ein NF1 Gen auf, entweder das intakte oder das mutierte. Somit bekommt die Hälfte der Ei- oder Samenzellen das intakte NF1 Gen und die andere Hälfte das NF1 Gen mit Mutation. Bei der Befruchtung kommt es dann rein zufällig zur Verwendung entweder der Zelle ohne diese NF1 Mutation oder der mit der NF1 Mutation.

Aus der Ei- oder Samenzelle mit dem intakten NF1 Gen entsteht ein Kind ohne NF1, aus der mit der NF1 Mutation ein Kind mit NF1.

Daher liegt die statistische Wahrscheinlichkeit als NF1 Betroffene(r) ein Kind mit NF1 zu bekommen bei 50 %.

1.4. NF1 Gen – Chromosom 17

Der erwachsene Mensch besteht aus sehr vielen einzelnen Zellen. Es sind etwa 100 000 000 000 000. Jede einzelne ist klein und misst etwa 0.030 Millimeter im Durchmesser.

Die genetische Information (DNA) in einer einzelnen Zelle besteht aus vier DNA- Bausteinen (A, T, G, C), die einen Doppelstrang bilden, in dem sie aneinander binden (A-T, G-C). Pro Zelle sind das etwa 2 x 3 000 000 000 Bausteine (Basen). Würde man die DNA einer Zelle des Menschen als Faden aufwickeln, wäre dieser etwa 2 Meter lang.

Dieser Faden ist in kleinere im Lichtmikroskop unter bestimmten Bedingungen sichtbare Einheiten aufgeteilt, sogenannte Chromosomen. Beim Menschen hat man pro Zelle insgesamt 46 Chromosomen.

Zwei sind die Geschlechtschromosomen (X und Y). Sie entscheiden, welchen Geschlechtes man ist (XX Frau, XY Mann). Die anderen 22 x 2 (44) nennt man Autosomen und zählt sie einfach durch. Die Chromosomen 17, auf denen jeweils ein NF1 Gen liegt, gehören zu den autosomale Chromosomen. Deshalb spricht man davon, dass die NF1 einem autosomalen Erbgang folgt.

Das heißt, wenn man selber eine NF1 hat, kann man diese an die Hälfte seiner Kinder weitervererben. Hierbei spielt das Geschlecht keine Rolle.

1.5. Seltener Sonderfall NF1 Mosaike

Bei manchen Menschen, bei denen die NF1 erstmals in der Familie auftritt, erfolgt die NF1 Neumutation nicht in der ersten Körperzelle, also der befruchteten Eizelle, sondern in einer der Zellen, die aus dieser Zelle hervorgegangen sind.

Aus einer befruchteten Eizelle werden ja 2 Körperzellen (somatische Zellen), dann 4, dann 8, dann 16 und so weiter. Wenn zufälligerweise zum Beispiel in der 32. Zelle eine NF1 Mutation auftritt, hat man im erwachsenen Körper in allen Zellen, die aus dieser einen Zelle hervorgehen, eine NF1 Mutation.

Das heißt, man besteht auf der einen Seite aus Zellen, bei denen die beiden NF1 Gene intakt sind, und auf der andern Seite aus Zellen, bei denen eines der beiden NF1 Gene mutiert ist. Wir nennen diesen Sonderfall NF1 Mosaike oder Segmentale

NF1. Die NF1 Symptome sind entweder sehr gering oder auf ein Körperareal beschränkt.

1.6. Prädisposition für verschiedene Tumoren

Die Mutation in einem der beiden NF1 Gene in allen Körperzellen ist die Ursache dafür, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass man in seinem Leben bestimmte Tumoren wie zum Beispiel Neurofibrome bekommt. Wir sprechen von einer autosomal dominant vererbten Prädisposition für bestimmte Tumore und zahlreiche weitere Symptome.

1.7. Autosomal dominant mit fast 100 % Penetranz

Jede(r), der/die in all seinen Körperzellen eine Mutation im NF1 Gen hat, bekommt früher oder später Symptome der NF1. Häufig sind die Symptome kaum erkennbar, wenn man ein kleines Kind ist, später als Erwachsene(r) sind sie aber deutlich zu bemerken. Das nennen wir „dominante Vererbung“ mit praktisch vollständiger „Penetranz“. Die Penetranz bezeichnet sozusagen die Durchschlagskraft der NF1 Mutation und beträgt fast 100 %.

1.8. Symptome durch zufällige NF1 Zweitmutation

Welche und wie viele Symptome jemand durch diese Erkrankung bekommt, lässt sich nicht sicher voraussagen.

Die Tumoren und die viele andere Symptome der NF1 entstehen durch eine weitere Mutation im NF1 Gen in irgendeiner Körperzelle. Diese eine Körperzelle hat ja schon eine (konstitutionelle) NF1 Mutation, nun bekommt sie zufällig noch eine zweite. Somit hat sie anschließend überhaupt kein funktionsfähiges NF1 Gen mehr. Wir sprechen von dem einer NF1 Zweitmutation oder NF1 „second hit“.

Diese zweite NF1 Mutation erfolgt rein zufällig in irgendeiner Körperzelle zu irgendeinem Zeitpunkt. Aus dieser Körperzelle entstehen dann die entsprechenden Tumoren, zum Beispiel die Neurofibrome. Diese Zweitmutationen können sehr früh erfolgen, bei den Neurofibromen möglicherweise schon vor der Geburt.

1.9. Zeitfenster für NF1 Symptome

NF1 Symptome treten im Leben bevorzugt zu bestimmten Zeiten auf. Es gibt Symptome, die man schon im ersten Lebensalter sieht, wie die Café au lait Flecken und andere, die man viel später erkennt. Das heißt, hat man das entsprechende Lebensalter hinter sich, ist die Wahrscheinlichkeit, von diesem Symptom betroffen zu werden, geringer. Dafür kann das Risiko für andere Symptome steigen. Wir sprechen von Zeitfenstern für bestimmte NF1 Symptome.

1.10. Intrafamiliäre Variabilität

Weil diese NF1 Zweitmutationen rein zufällig erfolgen, lässt sich das Auftreten der jeweils entstehenden Tumore nicht sicher vorhersagen.

In einer Familie mit NF1 haben alle Betroffenen die gleiche NF1 Mutation. Die jeweiligen Symptome entstehen aber durch eine zufällig erfolgende zweite NF1 Mutation. Deshalb können die Symptome, die jeder einzelne in der Familie bekommt, sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Wir sprechen von hoher intrafamiliärer Variabilität der Symptome.

1.11. Genotyp-Phänotyp Korrelation

Bislang kann man aufgrund der Art der NF1 Mutation nur sehr selten eine Voraussage darüber machen, wie stark der Betroffene von Symptomen der NF1 betroffen sein wird.

Es gibt einige Ausnahmen, zum Beispiel einige wenige NF1 Mutationen, die zu einem sehr leichten Phänotyp führen (prädisponieren). Eine andere Art der NF1 Mutation, die so genannten NF1 Mikrodeletionen, führen zu einem eher schweren Phänotyp, d.h. dem Auftreten von vielen Symptomen.

1.12. NF1 Sonderformen

Es gibt auch noch weitere seltenere NF1 Sonderformen. Eine ist die Familiäre Spinale NF, bei der sich die Symptome praktisch weitestgehend auf spinale Tumoren beschränken und die anscheinend eine geringere Penetranz aufweist als die klassische NF1. Molekulare Ursache ist auch hier eine Mutation im NF1 Gen.

Eine weitere Sonderform ist das Noonan-NF1 Syndrom, bei dem Veränderungen am Herzen im Vordergrund stehen können.

1.13. Aus NF1 wird nie NF2

NF1 und NF2 sind zwei verschiedene Erkrankungen, die durch Mutationen in unterschiedlichen Genen entstehen. Aus einer NF1 kann also nie eine NF2 werden, und umgekehrt. Man hat entweder NF1 oder NF2, nie beides.

 

2. Zur genetischen Beratung der NF1

2.1. Wer darf eine genetische Beratung in Anspruch nehmen?

Jede(r) Betroffene(r) und deren Angehörige.

Eine genetische Beratung kann jede(r) Krankenkassen-Versicherte nach Überweisung durch einen Arzt in Anspruch nehmen und sollte dies, aus meiner Sicht, auch einmal in seinem Leben tun.

Der Überweisungsgrund zu einer genetischen Beratung ist der Verdacht auf das Vorliegen einer genetisch bedingten Erkrankung.

In der genetischen Beratung wird auf der einen Seite nach der molekularen Ursache der Erkrankung gesucht, und auf der anderen Seite über diese Erkrankung informiert.

Genetische Beratungen werden an spezialisierten Zentren (Genetische Beratungsstellen) durchgeführt. Genetische Beratungsstellen finden sich im Allgemeinen in jeder größeren Stadt. Die genetische Beratung erfolgt durch hierfür ausgebildete und besonders geschulte Ärzte.

Im Allgemeinen wird der oder die Betroffene beraten, zusätzlich meist auch gleichzeitig weitere Familienangehörige, zum Beispiel Eltern oder Geschwister. Eine genetische Beratung dauert lange, deutlich länger auf jeden Fall als übliche Kurzzeitberatungen.

2.2. Was sind die typischen Fragen bei einer genetischen Beratung wegen NF1?

2.2.1. Hat die NF1 eine bekannte genetische Ursache?

Definitiv ja.

Der Hinweis auf eine genetisch bedingte Erkrankung ergibt sich häufig aus der Analyse der Familie. Deshalb wird üblicherweise in der genetischen Beratung eine Stammbaumanalyse durchgeführt. Man sucht dabei nach weiteren Angehörigen mit ähnlichen Symptomen. Findet man solche, könnte eine familiäre NF1 vorliegen. Tritt diese Erkrankung erstmals in der Familie auf, sprechen wir von einer NF1 Neumutation. Sind die Symptome bei einer(m) Betroffenen mit dem Verdacht auf eine NF1 Neumutation sehr gering ausgeprägt oder befinden sich nur in bestimmten Körperarealen, kann der Verdacht auf ein NF1 Mosaik ausgesprochen werden.

Die molekulare Ursache der NF1 ist eine Mutation im NF1 Gen.

2.2.2. Wird die Krankheit weitergegeben?

Ja, kann passieren.

Die NF1 wird autosomal dominant weitergegeben, d.h. statistisch erben unabhängig vom Geschlecht 50 % der eigenen Nachkommen diese Erkrankung (wenn der Partner keine NF1 hat).

Sonderfälle sind auch hier die NF1 Mosaike. Hier ist eine genaue Abschätzung des Weitergaberisikos gelegentlich recht schwierig.

2.2.3. Was bedeutet 50 % Risiko?

Horrornachricht: Weitergaberisiko von 50 %.

Wenn man eine Erkrankung mit 50 % Risiko weitergeben kann, stellt dies ein riesiges Problem für den oder die Betroffene dar, genauso aber auch für den Partner oder die Partnerin. Der Traum, mit Sicherheit immer ein gesundes Kind in die Welt setzen zu können, erlischt.

Dies führt zu schwierigen Fragen innerhalb einer Partnerschaft, berührt aber auch dramatisch das Selbstwertgefühl eines(r) von der NF1 Betroffenen. Für Partner oder Partnerin von NF1 kann diese oft unerwartete Nachricht sehr dramatisch sein.

In der genetischen Beratung wird auf diese Probleme hingewiesen. Genetische Berater bleiben aber im Allgemeinen neutral. Sie geben allerdings Tipps für weitere Hilfe, insbesondere was die familiäre Situation angeht.

Hintergrund dieser meist eingehaltenen Neutralität ist, dass die Menschen sehr verschiedene Lebensansichten, Religionen, Moralansichten, Ideen zur Familie, Ideen zu Kindern, Ideen zum Leben im Allgemeinen und zu ihrem eigenen Leben haben und als Paar eine ihnen angemessene Lösung finden müssen. Diese kann ihnen niemand von außen diktieren.

2.2.4 Wie „intensiv“ wird die Krankheit weitergegeben?

Schwer vorher zu sagen.

Nach der Information: „Weitergabe der Krankheit an 50 % der eigenen Nachkommen“ steht meist sofort die Frage im Raum, welche Symptome können die eigenen möglicherweise von der NF1 betroffenen Kinder bekommen. Am meisten interessiert dabei, ob die Krankheit beim eigenen Kind genauso oder heftiger als bei einem selbst verläuft. Dies kann man leider bei der NF1 kaum vorhersagen.

Dies bedeutet für die Ratsuchenden häufig eine herbe Enttäuschung, manchmal auch die Infragestellung der Kompetenz des beratenden Arztes.

2.2.5. Kann man den Verlauf der Erkrankung bei einem selbst vorhersagen?

Auch hier, nicht wirklich.

Da die zweite Mutation im NF1 Gen in einzelnen Zellen letztendlich die Ursache für die verschiedenen Symptome der NF1 ist, diese aber rein zufällig in irgendeiner Zelle zu irgendeinem Zeitpunkt auftreten, sind die NF1 Symptome im Einzelnen nicht vorhersehbar.

Diese Unvorhersehbarkeit der Symptome durch die Zufälligkeit der NF1 Zweitmutation steht meist im scharfen Kontrast zu dem Wunsch der Menschen nach geregelten, selbst bestimmten und planbaren angenehmen Leben.

Da bestimmte NF1 Symptome allerdings bevorzugt zu bestimmten Zeiten auftreten (Zeitfenster), kann man manchmal bei Erwachsenen für bestimmte NF1 Symptome Entwarnung geben, wie z.B. für bestimmte in den ersten Lebensjahren auftretende Knochenanomalien. Das Risiko für andere Symptome kann aber im Erwachsenenalter steigen.

2.2.6. Unvorhersehbarkeit

NF1, das ist Unvorhersehbarkeit.

Die Menschen wollen, dass das eigene Leben so verläuft, wie sie sich das wünschen und planen. Menschen wünschen sich heute zum Beispiel große Sicherheit. Wenn man es ganz genau nimmt, ist dies eigentlich eine große menschliche Illusion.

Die Planbarkeit des eigenen Lebens gelingt nur selten und hat fast nichts mit unserer Natur als Menschen und der Natur im Allgemeinen zu tun. Leben ist für alle Menschen unsicher. Jeder kann zum Beispiel akut an irgendetwas erkranken. Die Idee der völligen Bestimmbarkeit des eigenen Lebens durch einen selbst (am liebsten immer jung, gesund, attraktiv und reich) gehört zu den großen Illusionen unserer gegenwärtigen Zivilisation.

Heute glaubt man sogar Leben versichern zu können, was man natürlich nicht kann. Die Sterbekassen wurden in Lebensversicherungen umbenannt.

Bei der NF1 kommt noch dazu, dass sich das Auftreten der meisten Symptome eben nicht sicher voraussagen lässt.

2.2.7 Leben mit Unsicherheit

Unsicherheit, nichts für mich.

Als NF1 Betroffene(r) muss man also mit Unsicherheit leben. Sie ist sicher größer als die, mit der Menschen zu tun haben, die keine NF1 haben. Diese Unsicherheit ist ein riesiges Problem für die Betroffenen, aber mindestens in ähnlicher Weise auch für die Partner oder Partnerin, nebenbei auch für andere Familienangehörige, zum Beispiel für nicht von der NF1 betroffene Kinder.

Man sollte als NF1 Betroffener aber nicht vergessen, dass Leben für alle Menschen unsicher ist, was zum Beispiel das Auftreten von Krankheiten, Unfällen oder ähnlichem angeht. Zudem hat jeder Mensch ein 100 % Risiko irgendwann zu sterben. Man kann als Mensch also offensichtlich mit Unsicherheit leben.

2.2.8 Mutation - Mutante

Böse Mutanten: alles falsch.

Ursache für die NF1 ist eine bestimmte Veränderung der eigenen genetischen Information, eine Mutation im NF1 Gen. Der Begriff Mutation ist in unserer Gesellschaft oft negativ besetzt.
Ist man als Mensch mit einer Mutation eine Mutante, ein Aussätziger? Nein. Bestimmen wirklich nur die Gene unser Leben? Nein. Sind wir wirklich nur die DNA, die es in unseren Zellen gibt? Nein.

Leben mit Andersartigkeit, also zum Beispiel mit Mutationen, ist gerade in der deutschen Gesellschaft ein sehr großes Problem gewesen. Im dritten Reich wurden Andersartige abgesondert, eingesperrt und ermordet, möglicherweise auch NF1 Betroffene. Reste dieser Haltungen sind bis heute noch spürbar. Genetisch Veränderte gelten wenigen Leuten auch heute noch als Monster, als Mutanten, als Aussätzige. Schon Fremde werden von diesen Menschen kaum ertragen.

All das ist aus meiner Sicht falsch und zeigt nur, dass die dummen Menschen, die so etwas sagen, ihre eigene Biologie und Lebensbedingungen nicht verstanden haben.

2.2.9 Mutationen gehören zum Leben

Mutationen sind normal.

Mutationen gehören ganz normal zu unserem Leben. Jeder Mensch hat Mutationen. Somatische (körperliche) Mutationen im NF1 Gen haben wohl alle (gesunden) Menschen, ohne je davon etwas zu bemerken. Geschätzt findet man in jeder 7 000. Körperzelle eines „Gesunden“ eine NF1 Mutation. Sie bleibt meist folgenlos.

Wir Menschen wären ohne Mutationen überhaupt nicht so geworden, wie wir heute sind. Wir hätten uns nicht aus anderen Arten (Spezies) zu Menschen entwickeln können. Wenn man sich die Embryonalentwickelung des Menschen ansieht, bemerkt man, dass der Mensch dabei alle Schritte seiner Evolution durchmacht. Zu einem bestimmten sehr frühen Zeitpunkt ähnelt ein menschlicher Embryo beispielsweise einem Krokodil. Es gibt in unserem erwachsenen Körper manchmal auch noch Reste von Kiemenbögen.

Eine Art entsteht aus einer anderen durch Mutationen. Mutationen haben also in der Evolution, aus meiner Sicht, viel Gutes erreicht. Ohne sie wäre unser menschliches Leben überhaupt nicht möglich gewesen.

Die aktuelle Frage ist, was ist der Vorteil der NF1 Mutation?

2.1.10. Jeder ist eine Mutante

„Genetische Reinheit“? Quatsch.

Es gibt es keinen Menschen, der „genetisch rein“, ein schreckliches Wort, ist. Jeder hat irgendwelche Mutationen.

Zum Beispiel ist die sich so nennende „weiße Herrenrasse“ in Wirklichkeit eine Mutante für Hautfarbengene, da die ersten (schwarzen) Menschen aus Afrika kommen. Erwachsene Milchtrinker sind übrigens auch Mutanten: nicht jeder erwachsene Mensch auf der Welt verträgt Milch als Nahrungsmittel. Für viele erwachsenen Menschen ist Milch ein Abführmittel. Eine bestimmte Mutation erlaubt den meisten hier in Europa lebenden Menschen diese Milch auch als Erwachsener zu verdauen. Milchwirtschaft gilt als klassische Natur, macht aber nur für bestimmte (mutanten) Menschen einen Sinn.

Mutationen sind also etwas völlig normales. Jeder hat irgendwelche. Für Mutationen kann niemand etwas. Sie gehören zu unserem Leben.

Alle, die alt werden oder Tumoren bekommen, haben viele Mutationen in ihrem Körper. Der Alterungsprozess, der ja als normal gilt, hat viel mit neu zufällig entstandenen Mutationen in Körperzellen zu tun.

Es gibt keinen wirklichen Schutz gegen genetische Veränderungen bzw. Mutationen. Allerdings kann man durch dummen Lebenswandel seine Mutationsrate erhöhen, zum Beispiel durch Rauchen, andere Gifte, massive Sonnenbestrahlung und vieles andere mehr. Mit solchen Dingen sollte man als NF1 Betroffener eher vorsichtig umgehen.

2.2.11. Wer ist schuld an der Erkrankung?

Niemand oder die Natur.

Mütter und Väter von einem NF1 betroffenen Kind werfen sich oft vor, sie seien schuld an der Erkrankung ihres Kindes. Deshalb fragen sie in der genetischen Beratung danach, ob sie etwas falsch gemacht hätten und deshalb diese Erkrankung beim eigenen Kind entstanden sei.

Um es ganz klar zu sagen: Nein. Es gibt aktuell keinen Hinweis darauf, dass man durch irgendeine falsche Lebensform zum Beispiel eine neue Mutation im NF1 Gen auslösen könnte, oder, wenn man selbst NF1 hat, ein eigenes Kind bevorzugt NF1 bekommt. Das ist leider Natur. Selbstvorwürfe machen aus meiner Sicht keinen Sinn.

2.2.12. NF1 Symptome übersehen andere nicht

Das ist leider so, aber man kann sich gegen Benachteiligungen wappnen.

Die NF1 führt sehr oft zu Hautsymptomen, die auch anderen auffallen. Gerade für einen jungen empfindlichen Menschen können die Reaktionen anderer auf diese Symptome sehr verletzend sein.

In der gegenwärtigen Kultur muss jeder eine „reine Haut“ haben und „schön aussehen“. Das tut in Wirklichkeit niemand wirklich, auch Modells müssen sich lange schminken, um eine fehlerfreie Haut zu haben. Fehlernährt müssen sie auch noch sein. Spätestens wenn man alt wird, ist es vorbei mit der „reinen Haut“ und der „Schönheit“. Und jeder wird alt.
Der Mensch ist viel mehr als seine äußere Form. Daran sollten NF1 Betroffene oft denken und sich auf anderes konzentrieren. Aber, es ist schwer mit der Missachtung durch andere Menschen umzugehen. Man kann gemieden werden und tut sich schwer einen Lebenspartner/in zu finden. Für seine NF1 kann man nichts.

So seltsam das klingen mag: wenn man nicht aus seiner Haut heraus kann, dann muss man sie eben lieben. Dies gilt übrigens für jeden Menschen. Am besten wäre es, wenn man herzlich über seine eigenen Gebrechen lachen könnte. Das befreit. NF1 Betroffene brauchen viel Stärke, Selbstbewusstsein und Zusammenarbeit, um sich gegen diese von der Gesellschaft an sie herangetragenen unsinnigen Dinge zur Wehr setzen zu können. Man kann sich solche Stärke aneignen, am besten gemeinsam mit anderen. Dazu wird in einer genetischen Beratung aufgefordert.

2.2.13. Kann man etwas gegen die Krankheit tun?

Ja, in Grenzen, aber es lohnt sich.

Die genetische Beratung beinhaltet auch eine Aufklärung über die möglichen Symptome, deren Auftreten und deren Behandlungsmöglichkeiten.

Man muss in einer genetischen Beratung über alle bei der NF1 möglichen Symptome reden. Das kann sehr anstrengend sein. Gleichzeitig muss man aber auch darüber reden, wie häufig diese Symptome auftreten. Da gibt es große Unterschiede und nicht jeder bekommt alles. So gibt es zum Beispiel ganz seltene Komplikationen, die man als Arzt sicherheitshalber ansprechen muss, aber gleichzeitig auf deren Seltenheit hinweisen sollte.

Die klinische Behandlung erfolgt am besten in spezialisierten NF Zentren. Dort finden sich am ehesten Ärzte, die sich mit dieser Erkrankung gut auskennen. Eine NF1 hat etwa jeder 3 000. Mensch, das heißt, sie ist relativ selten. Deshalb kann es nicht überall NF Zentren geben. Man muss reisen können als NF1 Betroffner. Viele Komplikationen der NF1 lassen sich so vermeiden, leider nicht alle.

Da die Symptome der NF1 sehr kompliziert sein können, tun sich sehr viele nicht so gut informierte Ärzte schwer, sie adäquat zu versorgen. Als Arzt kann man nicht alle Krankheiten im Detail kennen. Es gibt Tausende von Krankheiten. Man konzentriert sich als Arzt oft auf die häufigen Erkrankungen, und übersieht dabei die NF1 und viele anderen seltenen Erkrankungen. Um das zu vermeiden, wurden „Zentren für seltene Erkrankungen“ in den meisten Universitätskliniken gegründet. Sie können Anlaufstellen für NF1 Betroffene sein.
Viele Therapieansätze werden aktuell entwickelt, auch medikamentöse. Über den aktuellen Stand und die aktuell zugänglichen und sinnvollen informieren die NF1 Selbsthilfegruppen.
Es wird immer wieder die Frage gestellt: Wenn diese Erkrankung durch genetische Veränderungen entsteht, kann man sie dann auch durch genetische Therapien heilen? Dies wäre doch das einfachste. Dies ist (für mich) extrem wünschenswert, es gelingt aber gegenwärtig leider noch gar nicht.

2.2.14. Wie soll man mit der Erkrankung umgehen

Am Besten vernünftig und gelassen.
Als genetische Berater schlagen wir vor:

  • mutig
  • angemessen
  • nüchtern
  • optimistisch
  • und nicht alleine.

Man ist nicht nur seine NF1. Man ist wie jeder Mensch ein Mensch mit Vor- und Nachteilen, liebenswerten Seiten und weniger liebenswerten Seiten, Fähigkeiten und Unfähigkeiten. All das gehört zusammen. Und dann gibt es auch noch die NF1, die auch dazu gehört.

Hilfe von anderen und Diskussionen mit anderen Betroffenen sind wesentlich: niemand weiß besser, wie es einer/m Betroffenen geht, als ein ebenfalls Betroffener. Von da aus raten wir dazu, Kontakt mit Selbsthilfegruppen aufzunehmen, nicht um sich immer auszuweinen, sondern auch und hauptsächlich um sich gegenseitig zu unterstützen, zu ermutigen, zu helfen, vielleicht auch gemeinsam etwas gegen die Isolierung und die fehlende Stärke zu tun.

2.2.15. Geschwister

Auch an die Geschwister denken.

In Familien mit NF1 gibt es natürlich auch Angehörige ohne diese Erkrankung, Kinder und Partner.

Gesunde Geschwister leiden durch die Erkrankung eines Geschwisters oder Elternteils auch und fallen innerhalb einer Familie leicht hinten runter. Die Zentrierung der Familie auf die Behandlung des Krankheitsbildes eines oder mehrerer Familienangehöriger führt leicht zur Benachteiligung der gesunden weiteren Angehörigen. Auch das muss man bedenken und angehen.

Auch die Ehe- oder Lebenspartner, die keine NF1 haben, können leicht überfordert werden. Tip also: Familienkonferenzen und Lasten gleichmäßig verteilen.

2.2.16. Wie ist das mit der Planung des eigenen Nachwuchses?

Erst miteinander ohne Druck reden.

Wesentlich ist, dass die Betroffenen, das heißt die beiden Partner, sich intensiv darüber austauschen, ob und wie sie ein Kind haben wollen.

Es macht keinen Sinn, in einer genetischen Beratung ausführlich über rechtliche Grenzen und technische Möglichkeiten zu diskutieren oder mit letzteren gar zu beginnen, wenn die beiden Partner die Folgen dieser Möglichkeiten eigentlich nicht wirklich besprochen haben.

Man muss darüber reden, dass ein möglicher Schwangerschaftsabbruch wegen eines von der NF1 betroffenen Kindes massive Folgen für die Beziehung der beiden Partner haben kann. Hierdurch wird ja die Lebensfähigkeit eines der beiden indirekt in Frage gestellt.

Wir raten deshalb den Paaren dringend, zuerst darüber zu diskutieren, ob sie sich auf diesen Weg begeben wollen, ob sich dies mit den eigenen Moral- und Lebensvorstellungen verträgt und erst dann die technischen Möglichkeiten und rechtlichen Möglichkeiten zu diskutieren.

Die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches kann nach einer Fruchtwasseruntersuchung bzw. Chorionzotten-Biopsie mit Diagnose eines Feten mit NF1 Mutation angegangen werden.

Probleme dabei sind unter anderem,

  • ein möglicher Schwangerschaftsabbruch unterliegt den gesetzlichen Regelungen und somit bestimmten Indikationen (Bedingungen),
  • das Verfahren ist nur möglich, wenn die NF1 Mutation vor der Schwangerschaft bekannt ist,
  • die Diagnose an Fruchtwasserzellen oder Chorionzotten setzen einen medizinischen Eingriff voraus.

Die Paare sollten vorher intensiv über die Möglichkeiten und den sich daraus ergebenden Partnerproblemen reden.

Häufig werden wir nach der neuen Möglichkeit einer Präimplantationsdiagnostik (PID) gefragt. Diese ist in Deutschland inzwischen gesetzlich geregelt, aber noch nicht wirklich etabliert. Die künstliche Befruchtung erfolgt im Reagenzglas (in vitro). Die Gewinnung der Eizellen ist für die Frau ein deutlicher medizinischer Eingriff, der durch die Hormongaben recht anstrengend sein kann. Nach der (chirurgischen) Entnahme der Eizellen und der Befruchtung mit Samenzellen im Reagenzglas wachsen diese zu einem mehrzelligen Organismus heran, Blastozyste genannt. Eine der Zellen der Blastozyte wird herausgenommen und auf die zu diesem Zeitpunkt schon bekannte NF1 Mutation des(r) Betroffenen untersucht. Nur die Blastozysten werden in den Uterus, das heißt in die Gebärmutter, übertragen, die keine NF1 Mutation aufweisen. Nicht alle diese implantierten Blastocysten wachsen weiter.

Gegenwärtig ist nicht endgültig und im Detail geklärt, wann und durch wen die Indikation auf eine Präimplantations-Diagnostik gestellt werden kann, wo sie erfolgen kann und wie die Bezahlung des Verfahrens erfolgt.

Auch hier gilt wieder, dass die Paare vorher intensiv über diese Möglichkeiten und den sich daraus ergebenden Partnerproblemen reden sollten.

2.2.17. Sind Wunschkinder möglich?

Definitiv nein.

Neben der NF1 gibt es viele anderen genetischen Erkrankungen, die man haben kann und die man gegenwärtig nicht im Vorhinein diagnostizieren kann. Es ist zu erwarten, dass sich hier in nächster Zeit einiges ändert, da die DNA Sequenzziertechniken sich rasant weiter entwickeln. Hier wird man noch viel lernen müssen.

Zudem ist eine Geburt weder für das Kind noch die Mutter ungefährlich.

Kinder bleiben ein Geschenk der Natur und sind keine Ware aus dem Supermarkt, auf deren Güte man glaubt ein Anrecht zu haben. Dies wird heute gerne vergessen. Kinder zu haben ist immer noch ein Glück, gesunde Kinder zu haben ein noch größeres Glück.

Dr. Dieter Kaufmann, vormals Institut für Humangenetik in Ulm

 

 

Fachkundige medizinische Hilfe in spezialisierten NF-Zentren

Die Erkrankung Neurofibromatose ist so selten, dass einige Ärzte noch nie Kontakt zu einem betroffenen Patienten in ihrer Sprechstunde hatten. Die Komplexität der Erkrankung macht es besonders schwer, die richtige Fachdisziplin auszuwählen, die dann auch noch über eine ausreichende Erfahrung verfügt, die richtige Diagnose zu stellen und darauf basierend die notwendige medizinische Versorgung einzuleiten.  

Die langjährigen Erfahrungen von NF-Betroffenen sowie des Vereins zeigen, dass die übliche ambulante oder stationäre medizinische Versorgung den Patientenbedürfnissen nicht gerecht wird.

Im Laufe der Zeit haben sich an verschiedenen Standorten in Deutschland NF-Zentren gebildet, die spezielle Sprechstunden für Patienten mit Neurofibromatose anbieten und meist interdisziplinär mit ihren Fachkollegen zusammenarbeiten. So werden die Patienten über einen NF-Experten in der Sprechstunde untersucht, beraten und begleitet. Die Einbindung weiterer Fachkollegen erfolgt dann bei Bedarf gut koordiniert durch das NF-Zentrum, damit die Patienten bestmöglich medizinisch versorgt werden. Es sollen so unnötige Wege zu verschiedenen Ärzten - und die damit oftmals verbundenen Ängste - abgebaut werden. Die Patienten müssen dafür zwar manchmal lange Anreisen in Kauf nehmen, aber sie sparen sich viele Arztbesuche, da sie so sofort fachkundig beraten und versorgt werden.

Übersicht über die Leistungen der NF-Zentren und NF-Spezialisten

Da sich die NF-Zentren z.T. auch auf bestimmte Schwerpunkte der Erkrankung spezialisiert haben, berät Sie der Bundesverband Neurofibromatose gerne, wohin Sie sich bei bestimmten Fragestellungen gezielt wenden können.

Hier können Sie sich einen ersten Einblick über die Leistungen der NF-Zentren verschaffen.

Interdisziplinär

Fachgebundene Expertise im Bereich Neurochirurgie

Diagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen

Lasertherapie kutaner Neurofibrome

BVNF: Die Neurofibromatose ist eine wenig bekannte Erkrankung und bei vielen Neurofibromatose-Patienten vergehen Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Woran liegt das?

Prof. Dr. Victor-Felix Mautner: Obwohl Neurofibromatosen mindestens genauso häufig auftreten wie das Down-Syndrom, sind die Neurofibromatosen Typ 1 und Typ 2 (NF1 und NF2) im Bewusstsein der Ärzte und der Öffentlichkeit viel weniger gut verankert, weil es sich um Erkrankungen mit vielen "Gesichtern" (Symptomen) handelt, die in ihrem Auftreten sehr variabel sind. Vom Verdacht auf eine Neurofibromatose, der beim Vorliegen vieler Café-au-Lait-Flecken gegeben ist, bis zum Auftreten des häufigen Zweitsymptoms, den "Sommersprossen" in den Achselhöhlen, vergehen meist einige Jahre. Somit bedarf es in diesem Zeitraum der Überwachung des Kindes auf alle möglichen assoziierten Merkmale, die bisher allerdings noch unzureichend im Bewusstsein der Ärzte gegenwärtig sind.

Schließlich gibt es eine Vielzahl von Patienten, bei denen die Diagnose erst gestellt wird, wenn ernsthafte Probleme auftreten.

BVNF: Man unterscheidet die beiden Erkrankungen Neurofibromatose Typ 1 und Typ 2. Was sind jeweils die typischen Krankheitssymptome?

Prof. Mautner: NF1 und NF2 sind in der Regel durch das Auftreten von altersgebundenen Symptomen charakterisiert: In der Kindheit findet sich eine allgemeine oder eine teilweise Entwicklungsverzögerung, motorische Bewegungsabläufe wirken schwerfällig (tapsig) und umständlich, Gleichgewichtsstörungen können z.B. beim Erlernen des Fahrradfahrens auffallen. Häufig haben die Kinder Schwierigkeiten, gedanklich vorbereitete Vorgänge in praktische Handlungen umzusetzen. Lernstörungen werden bei bis zu 50% der Kinder mit NF beobachtet. Dem gegenüber spielen Tumorbildungen im Bereich des Sehnervs (Optikusgliom), Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) oder Falschgelenkbildung (Pseudarthrose) zahlenmäßig eine relativ untergeordnete Rolle, wenngleich diese Veränderungen schwerwiegender sein können.

Im Jugend- und Erwachsenenalter sind die herausragenden Symptome zweifellos Neurofibrome der Haut. Daher wurde früher auch der Begriff der "peripheren Verlaufsform" benutzt, weil NF1 durch Tumorbildung der peripheren Nerven gekennzeichnet ist. Allerdings ist diese Bezeichnung nicht korrekt, da NF1-Betroffene sowohl im Kindes- und Jugend- als auch im Erwachsenenalter Tumorbildungen auch im Bereich des zentralen Nervensystems aufweisen können (Wirbelsäule und Gehirn).

NF2 ist dagegen durch das Auftreten von Tumoren im zentralen Nervensystem geprägt. Kinder mit NF2 weisen häufig als Erstsymptome Schwannome der Haut sowie ophthalmologische Symptome (Fehlsichtigkeit und Schielen) auf. Etwa zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr treten klinische Beschwerden durch Tumorbildung im Bereich der Hörnerven wie etwa Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Hörbeeinträchtigung auf.

BVNF: Welche Probleme/Symptome machen Patienten mit Neurofibromatose Typ 1 bzw. Neurofibromatose Typ 2 am meisten zu schaffen?

Prof. Mautner: Neurofibromatose Typ 1 ist eine bisher in ihrem Verlauf nicht vorhersehbare Erkrankung. Dies ist für die Betroffenen und deren Angehörige eine große Herausforderung und Belastung.

Es gibt zweifellos eine Vielzahl von Menschen, die die genetische Veränderung des NF1-Gens aufweisen, ohne dass wesentliche gesundheitliche Einschränkungen auftreten. Man kann sagen, dass etwa 60% der Betroffenen keine gravierenden gesundheitlichen Probleme haben, 20% beherrschbare gesundheitliche Probleme aufweisen und 20% nicht erfolgreich zu behandeln sind.

Lernschwierigkeiten und motorische Defizite sind für Kinder und deren Familien die häufigsten Belastungsfaktoren. Dagegen treten Tumoren im Bereich der Sehbahn, plexiforme Neurofibrome oder eine Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung) insgesamt seltener auf, sie können jedoch für den Betroffenen eine wesentlich größere Bedeutung haben. Im Erwachsenenalter ist das Wachstum von Neurofibromen der Haut der häufigste Belastungsfaktor.

Für Neurofibromatose Typ 2 gilt, dass sich in der Regel klinische Symptome erst nach der Pubertät zeigen, wenn erste Beschwerden aufgrund des langsamen Wachstums der Hörnerv-Tumoren auftreten. Für NF2-Betroffene sind zweifellos die vielen Tumoren im Bereich des Gehirns und der Wirbelsäule, die zur Ertaubung, Verlust von Hirnnervenfunktionen und Querschnittslähmung führen können, und die damit verbundenen wiederholten Operationen die wesentlichen Belastungsfaktoren.

BVNF: Die Neurofibromatosen zählen zu den Erbkrankheiten. Wie groß ist das Risiko, dass das Kind einer an Neurofibromatose erkrankten Mutter und eines gesunden Vaters ebenfalls an einer Neurofibromatose erkrankt?

Prof. Mautner: Die Erkrankung tritt mit einer Häufigkeit von etwa 1:3000 bis 1:4000 auf. Das heißt, dass in der Bevölkerung jedes 3000. bis 4000. Kind ein so genannter Träger der genetischen Fehlinformation ist. Wenn ein Elternteil diese Fehlinformation aufweist, besteht ein 50%iges Risiko, diese zu vererben. Laut einer kürzlich in Deutschland durchgeführten Studie tritt die genetische Fehlinformation (NF1) mit einer Häufigkeit von 1:2900 auf.

BVNF: Wie ist es zu erklären, dass die Neurofibromatose so unterschiedliche Verlaufsformen zeigt – selbst innerhalb einer Familie?

Prof. Mautner: Als wahrscheinlichste Ursache für dieses Phänomen wird heute das Bestehen von genetischen Interaktionen angesehen. Dies bedeutet, dass die eigentliche genetische Fehlinformation (Mutation auf dem Chromosom 17 für NF1) in ihrer Funktion durch andere genetische Informationen verändert werden kann. Darüber hinaus wird bei NF1 und NF2 auch eine so genannte Mosaikbildung beobachtet: hier tritt die genetische Fehlinformation nicht in allen Körperzellen auf. Wenn nur ein geringer Teil der Körperzellen betroffen ist, können die Anzeichen der Erkrankung ebenfalls nur gering ausgeprägt sein.

BVNF: Eine junge, an Neurofibromatose Typ 1 erkrankte Frau kommt zu Ihnen und möchte wissen, mit welchen Risiken sie bei einer potenziellen Schwangerschaft für sich und ihr Kind rechnen muss. Was sagen Sie ihr?

Prof. Mautner: Ein erhöhtes Risiko bezüglich einer Schwangerschaft besteht für eine von NF1 bzw. NF2 betroffene Frau im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nicht. Eine etwas höhere Rate an Fehlgeburten ist jedoch nicht auszuschließen. Selten kann die Schwangerschaft durch Tumorbildung im kleinen Becken (Unterleib) kompliziert werden, wenn hier bereits vor Schwangerschaftsbeginn ein Neurofibromwachstum nachweisbar ist.

Ein weiterer Belastungsfaktor für die Schwangere ist das möglicherweise verstärkte Auftreten von Neurofibromen der Haut.

BVNF: Heilung ist bei Neurofibromatosen bisher nicht möglich. Wie können die körperlichen Veränderungen der betroffenen Patienten behandelt werden?

Prof. Mautner: Neurofibrome können in aller Regel durch sorgfältige kosmetisch-plastische Intervention unter geringer Narbenbildung entfernt werden. Dies gilt teilweise auch für die so genannten plexiformen Neurofibrome, die jedoch bei infiltrativem, d.h. tief nach innen dringendem Wachstum nur bedingt organerhaltend operabel sind. Komlikationen wie beispielsweise Skoliose, Optikusgliome oder Tumoren der Nebenniere müssen von Ärzten der jeweiligen Fachdisziplinen operativ oder mit geeigneten anderen Maßnahmen behandelt werden.

BVNF: Neurofibromatose-Betroffene weisen nicht nur körperliche Symptome auf, viele Kinder und Jugendliche leiden auch an Lernschwierigkeiten, psychomotorischen Entwicklungsverzögerungen und/oder am so genannten Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS/ADHD). Wie können diese Störungen behandelt werden?

Prof. Mautner: Am Anfang der Behandlung einer solchen Störung steht deren Definition, Einschätzung sowie Einordnung.

Hat das Kind eine so genannte globale Entwicklungsverzögerung? In diesem Fall sind nicht nur die Meilensteine der körperlichen Entwicklung verzögert, sondern auch der mentale Entwicklungsstand. Handelt es sich wirklich um ein Reifungsdefizit? Welche intellektuellen Kapazitäten hat ein Kind? Welche positiven Eigenschaften und Fähigkeiten sind zu beobachten? Liegt auch eine Störung im sprachlichen Bereich vor? Besteht eine so genannte Aufmerksamkeitsstörung?

Wenn diese Fragen ausreichend beantwortet sind, kann eine diagnostische Einschätzung erfolgen und es lassen sich entsprechende Therapien zuordnen.

Ergotherapie, Psychomotoriktraining und/oder Krankengymnastik sind Wege, um die Vernetzung von Abläufen im Gehirn zu den ausführenden Organen zu verbessern. Sportliches Training wie Trampolinspringen und Hantelarbeit sind zur Aktivierung der Muskulatur bei mangelnder Muskelanspannung (Muskelhypotonie) hilfreich. Logopädie zum Training des Sprachvermögens ist sinnvoll. Aufmerksamkeitsstörungen können mit Verhaltenstraining oder Stimulanzientherapie behandelt werden.

BVNF: Mit welchen Themen befasst sich die aktuelle Neurofibromatose-Forschung?

Prof. Mautner: Neurofibromatose-Forschung spielt sich heute auf diversen Gebieten, Ebenen und in Zusammenarbeit verschiedenster Fachrichtungen ab.
Klinische Symptome und deren Entwicklung sind nur zu verstehen, wenn die Ergebnisse der Untersuchung großer Patientengruppen zusammengeführt werden. Dies geschieht momentan in großen internationalen Studien. Ein Beispiel ist die Erfassung des Wachstumsverhaltens der plexiformen Neurofibrome, die über viele Jahre hinweg radiologoisch vermessen werden. Dies gilt auch für die Akustikusneurinome, die in ihrem Wachstum seit einigen Jahren dokumentiert werden. Studien dieser Art sind die Grundlage für die Durchführung von Medikamentenstudien, weil in diesen erstmalig der natürliche Wachstumsprozess der Tumoren quantitativ erfasst wird. Derzeit wird beispielsweise in den USA die Wirksamkeit von zwei medikamentösen Substanzen zur Behandlung von plexiformen Neurofibromen überprüft.

Von genetischer Seite wird weiterhin daran gearbeitet, die genetischen Veränderungen im NF1- und NF2-Gen vollständig zu erfassen und mit der klinischen Ausprägung der Merkmale in Beziehung zu setzen. Schließlich spielen die Bemühungen, die genetische Diagnostik zu verbessern und effizienter zu gestalten, weiterhin eine große Rolle.

Zellbiologische Untersuchungen haben sowohl bei NF1 als auch bei NF2 einen festen Platz gefunden. Diese erlauben die Untersuchung des Zusammenspiels der verschiedenen Zelltypen, deren Abnormitäten sowie die Überprüfung von medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten. Von biochemischer Seite geht es darum, die Funktion des NF1- und NF2-Gens und damit auch die Genprodukte besser zu verstehen.

BVNF: Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die zu neuen, möglicherweise kausalen Therapieansätzen führen könnten? Welche Rolle wird in Zukunft die Gentherapie spielen?

Prof. Mautner: Die zur Verfügung stehenden Therapieansätze beziehen sich jeweils auf die Einzelsymptome einer Neurofibromatose. Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute noch immer in aller Regel chirurgischer Natur. Die einzige überzeugende und überprüfte wirksame medikamentöse Therapie bezieht sich auf das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Stimulanzien im Kindesalter. Medikamentöse Therapieansätze werden derzeit für Patienten mit plexiformen Neurofibromen im Kindes- und Erwachsenenalter geprüft. Kausale Therapien, d.h. solche, die die Erkrankung "an der Wurzel des Übels" ergreifen, sind erwogen worden. Wann diese zur Überprüfung kommen, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Beispielsweise ist eine Methode zur Korrektur der genetischen Fehlinformation bei NF1 und NF2 als schlüssiger Therapieansatz in Erprobung, jedoch bedarf es einer weiteren Verbesserung der Methode, um die erhofften Behandlungserfolge zu erreichen.

BVNF: Sie sind Vorsitzender vom Bundesverband Neurofibromatose, die sich u.a. für die Verbesserung der medizinischen und psychosozialen Betreuung der NF-Patienten engagiert und auch die NF-Forschung fördert. Welche Unterstützung wünschen Sie sich für den BVNF?

Prof. Mautner: Dem Bundesverband Neurofibromatose ist es im vergangenen Jahrzehnt gelungen, Informationsmaterial über NF für Betroffene und Ärzte zu erstellen und zu verbreiten. Die Infrastruktur der klinischen Versorgung ist in Deutschland recht gut etabliert, wenngleich diese in Ostdeutschland nicht flächendeckend ist. Selbsthilfeaktivitäten, Kontaktbüros, Jahrestagungen und Seminare geben den Rahmen für Weiterbildung und Informationsaustausch. Fraglos erleben Eltern mit betroffenen Kindern und betroffene Erwachsene noch immer Odysseen, bis ihnen sachgerechtes Informationsmaterial zur Verfügung steht und sie in die Hände von Ärzten gelangen, die Erfahrung in der Betreuung von Patienten mit NF besitzen.

Auf dem Weg, dieses Problem zu überwinden, brauchen wir weiterhin Unterstützung. Professionalisierung von Öffentlichkeitsarbeit und verbessertes Sponsoring bilden wesentliche Elemente, die nur bedingt aus eigener Kraft erweitert werden können. Die VRG ist heute im bescheidenen Rahmen in der Lage, sich selbst zu tragen. Die Unterstützung von Forschungsaktivitäten - wie sie satzungsgemäß festgeschrieben ist - kann nur sehr eingeschränkt erfolgen. Mehr Beiträge, die diese Anliegen fördern, wünschen wir uns sehr.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Victor-Felix Mautner Prof. Dr. Victor-Felix Mautner

Bundesverband Neurofibromatose
Martinistraße 52 / Haus O54
20246 Hamburg

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Um eine mögliche Erkrankung an Neurofibromatose fühzeitig zu erkennen bietet sich die Abarbeitung unserer Checkliste an, sowie das Lesen von Informationsmaterial.

Speziell für Ärzte sind die Leitlinien zur Früherkennung und Diagnosestellung entwickelt, die über das Büro in Hamburg abgefordert werden können. Zusetzlich wurde eine Vorlesung entwickelt, die Grundlagenwissen zur NF1 vermitteln soll. Die Vorlesung finden Sie hier.

Checkliste

Neurofibromatose Typ 1 wird verursacht durch Genveränderungen auf Chromosom 17 und weist mindestens zwei der folgenden Merkmale auf:

  • Café-au-lait Flecken (mind. sechs)
  • Neurofibrome (auch plexiform)
  • Sommersprossenzeichnung in den Achselhöhlen oder der Leiste
  • Optikusgliome (Tumore des Sehnerven)
  • Irisknötchen (auch als "Lisch-Knötchen" bezeichnet) Pigmentanreicherungen auf der Regenbogenhaut des Auges
  • Skoliosen (Wirbelsäulenverkrümmung)
  • Typische Knochenveränderungen
  • Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen
  • Verwandter 1. Grades mit NF1

nf-1-cafe-au-lait-flecknf-1-neurofibromenf-1-neurofibrome2

Café-au-lait-Flecken / Sommersprossen / Neurofibrome

Neurofibromatose Typ 2 verursacht durch Genmutation auf dem Chromosom 22, Diagnostische Kriterien:

Bei Individuen mit den folgenden Kriterien besteht eine NF2

a) bilaterale Akustikusneurinome (beidseitiger Tumor des Hörnerven)

oder

b) Verwandter 1. Grades mit NF2 und

1. unilaterales Akustikusneurinom (einseitiger Tumor des Hörnerven) im Alter von < 30 Jahren

2. zwei der folgenden Kriterien:
Meningiom, Gliom, Schwannom (Tumore in- und außerhalb der Wirbelsäule), eine juvenile subkapsuläre Katarakt (Linsentrübung des Auges)

 

Bei Menschen mit den folgenden Merkmalen ist eine NF2 möglich bzw. wahrscheinlich

a) unilaterales Akustikusneurinom im Alter von < 30 Jahren und zusätzlich mindestens eines der folgenden Merkmale: Meningiom, Gliom, Schwannom, juvenile posteriore subkapsuläre Katarakt

b) Multiple Meningiome (zwei oder mehr) und ein unilaterales Akustikusneurinom im Alter von 30 Jahren oder eines der folgenden Kriterien: Gliom, Schwannom, juvenile posteriore subakpsuläre Katarakt

Diese Checkliste kann eine ärztliche Diagnose nicht ersetzen.

Die Geschäftsstelle in Hamburg steht Ihnen für Fragen, die aus dem NF-Check resultieren, gerne zur Verfügung. Hier erhalten Sie weitere Informationen.

Hamburg
Bundesverband Neurofibromatose
Martinistr. 52 / Haus O 54
20246 Hamburg

Tel.: 040-46 09 24 14
Fax: 040-5277462

E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Ansprechpartner

Prof. Dr. Victor-Felix Mautner Prof. Dr. Victor-Felix Mautner

Bundesverband Neurofibromatose
Martinistraße 52 / Haus O54
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Die Schwannomatose tritt mit einer Häufigkeit von 1 : 25.000 auf.

Bei der Schwannomatose kommt es zum Auftreten von Neurinomen/Schwannomen im Bereich des peripheren Nervensystem und der neuralen Strukturen im Bereich der Wirbelsäule. Die Symptome der Schwannomatose zeigen sich in der Regel im Erwachsenenalter. Viele Betroffene suchen einen Arzt auf, weil es zum Auftreten unklarer Schmerzen kommt. Die Diagnose wird gestellt werden, wenn das Bestehen von zwei Schwannomen feingeweblich bestätigt ist. Im Gegensatz zur NF2 treten bei der Schwannomatose keine Tumore des Hörnerven auf. Meningeome oder Schwannome im Bereich des Gehirns treten selten bei Schwannomatose auf. Bei etwa 30% der Betroffenen tritt eine segmentale Schwannomatose auf. Mit der Operation von Schwannomen sind die Schmerzen nicht sicher behoben. Eine bösartige Entartung von Schwannomen ist extrem selten.

Ein Schwannom besteht aus einer Geschwulst von Schwann-Zellen. Schwannome sind meistens gutartige Tumoren des peripheren Nervensystems. Sie können aber auch an den Spinalwurzeln, den Nervengeflechten und den eigentlichen Nerven auftreten. Bilden sich Schwannome an den Nerven, kommt es zu tastbaren und/oder sichtbaren Schwellungen, die bei Druck zu Schmerzen führen. In diesen Tumoren wuchern keine Nervenzellen, sodass die Funktion der Nervenzellen erhalten bleibt. Wenn der Tumor eine große Raumforderung einnimmt, können die Nerven allerdings durch den mechanischen Druck geschädigt werden. Das Gehirn ist selten betroffen und der Hörnerv bleibt ausgespart.

Als Therapie wird oftmals zu einer operativen Entfernung des Schwannoms geraten, die meist ohne eine Nervenschädigung durchgeführt werden kann. In seltenen Fällen ist dies nicht möglich, da der Tumor manchmal zu eng mit dem Nerv verwachsen ist. Eine teilweise Entfernung kann dann schon hilfreich bei Druckschmerzen sein und durch die Teilentfernung werden die Nervenfunktionen nicht beeinträchtigt. Die Indikation zu einer Operation eines Schwannoms sollte von einem mit diesen Tumoren vertrauten Arzt/Chirurg erfolgen. Bei starken Schmerzen kann Betroffenen meist gut in Schmerzzentren geholfen werden, die individuelle Schmerztherapien anwenden.

Weitere Informationen zur Schwannomatose erhalten Sie in unserem Ratgeber Schwannomatose.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Victor-Felix Mautner Prof. Dr. Victor-Felix Mautner

Bundesverband Neurofibromatose
Martinistraße 52 / Haus O54
20246 Hamburg

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Hierbei handelt es sich um die periphere Form der Erkrankung, die auch als "Morbus von Recklinghausen" bezeichnet wird – nach dem Pathologen Friedrich Daniel von Recklinghausen, der die Erkrankung im 19. Jahrhundert erstmals beschrieb.

Die Neurofibromatose Typ 1 (NF1) wird verursacht durch Genveränderungen auf dem Chromosom 17. NF1 tritt mit einer Erkrankungshäufigkeit von 1:3000 zu je etwa 50% familiär bzw. sporadisch auf.
NF-1-Patienten zeigen mindestens zwei der folgenden Merkmale:

  • 6 oder mehr so genannte Café-au-lait-Flecken – milchkaffeefarbene (hellbraune) Hautflecken, die bereits bei der Geburt vorliegen oder kurz danach auftreten. Vor der Pubertät weisen diese Flecken einen größten Durchmesser von 5 mm auf, nach der Pubertät beträgt der Durchmesser mehr als 15 mm.
  • 2 oder mehr Neurofibrome, gutartige Geschwülste bestimmter Nerven- und Bindegewebszellen, die sich auf, in oder unter der Haut und auch in jedem Körperteil bilden können. Manche Patienten entwickeln plexiforme (netzartig wachsende) Neurofibrome.
  • Sommersprossenartige Pigmentierung der Achselhöhlen und/oder der Leistengegend ("Axillary freckling", "Inguinal freckling").
  • Optikusgliom (Tumor am Sehnerv).
  • Mindestens 2 Irishamartome (Pigmentanreicherungen auf der Regenbogenhaut des Auges, auch "Lisch-Knötchen" genannt).
  • Typische Knochenveränderungen wie Keilbeindysplasie oder Verdünnung der langen Röhrenknochen mit oder ohne Pseudarthrose (Scheingelenk).
  • Verwandter ersten Grades (Elternteil, Geschwister, Kind), bei dem die Diagnose "NF1" anhand der oben aufgeführten Kriterien gestellt wurde.

 

NF1 Café-au-lait FleckNF1 Neurofibrome

Café-au-lait Fleck / Neurofibrome


Die genannten Merkmale entsprechen den NF-1-Diagnosekriterien der National Institutes of Health. Darüber hinaus werden bei NF-1-Betroffenen folgende Veränderungen relativ häufig angetroffen:

  • Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen).
  • Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen.

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